Belize (5.10.-22.10.)

Kurz vor Mittag hatte ich mein Fahrrad endlich wieder bepackt, nahm Abschied von der MisCasas Besatzung und holpperte langsam ĂŒber die Piste, vorbei an den Ananasfeldern, Richtung Highway. Es ist schon viel zu heiss und ich schaffte es gerade mal bis Bacalar, wo ich fĂŒr die Nacht hĂ€ngen blieb und nochmals ein paar echte, mexikanische Tacos genoss. Die Grenze zu Belize erreichte ich am nĂ€chsten Morgen problemlos. Mit dem Grenzbeamten ging es dann leider nicht mehr so einfach. Er wollte von mir Hotelreservierungen fĂŒr jeden Tag in Belize. Ich wollte von ihm einfach den doofen Einreisestempel. So zog sich der GrenzĂŒbertritt dann doch noch etwas in die LĂ€nge, bis er sich dann nach einigem hin und her schlussendlich auch mit einer willkĂŒrlichen Hoteladresse zufrieden gab.

Die kleine Stadt Corozal erreichte ich Mitte Nachmittags trocken. Doch kaum angekommen, konnte ich mich noch gerade rechtzeitig in ein BushĂ€uschen retten bevor es wie aus KĂŒbeln vom Himmel regnete – ich sollte mich besser daran gewöhnen.
In Corozal wurde ich dann etwas ĂŒbermĂŒtig und entschloss mich, fĂŒr die nĂ€chste Etappe den asphaltierten Highway zu verlassen und ĂŒber Nebenstrassen weiter zu fahren. Der Vorteil war, dass ich sozusagen alleine auf diesen Erdstrassen unterwegs war. Der Nachteil war, dass sich durch den vielen Regen grosse PfĂŒtzen bildeten welche sich oft ĂŒber die gesamte Strassenbreite ausdehnten und somit nicht zu umfahren waren. Meistens waren sie nicht so tief und ich konnte ohne Probleme durchfahren – meistens. Manchmal waren sie aber so tief und schlammig, dass das Vorderrad schlagartig stecken blieb und ich im hohen Bogen ĂŒber den Lenker katapultiert wurde. So verbrachte ich dann den Abend im Garten von Ricky’s Hostel im StĂ€dtchen Orange Walk vor allem mit putzen von Mensch und Material.


Bei Ricky konnte ich mein Velo fĂŒr ein paar Tage einstellen um das Kaye Caulker zu besuchen. So gab es nach gerade mal 3 Tagen Velofahren wieder mal eine Woche Pause 😀
Nur mit einem kleinen Rucksack bepackt ging es dann am nĂ€chsten Morgen los, Richtung Busbahnhof. Eine ganz ungewohnte Art zu reisen. Plötzlich musste ich mich mit FahrplĂ€nen, Tickets und so weiter rumschlagen. Musste vor Abfahrt an Verpflegung und Toilettenbesuch denken und mich unterwegs mit irgendwas beschĂ€ftigen um die Zeit tot zu schlagen – da ist das Reisen mit dem Velo schon viel einfacher und entspannter. Ich bin dann nach gut zwei Stunden in Belize City angekommen und habe mich auch genau an die Anweisung von Ricky gehalten, um den FĂ€hrhafen ohne durch die «gefĂ€hrlichen Strassen» zu gehen zu erreichen. Ein Bisschen heruntergekommen und dreckig war die Stadt definitiv und von schrĂ€gen Gestalten hatte es auch mehr als genug, aber gefĂ€hrlich
. ich hatte nicht den Eindruck.
Mit der FĂ€hre gings dann raus auf Caye Caulker, einem Backpacker Hotspot von Belize. Da ich im Oktober da war, dem «schlimmsten Monat der Regenzeit» war die Insel ziemlich ausgestorben und nebst ein paar wenigen Touristen schlenderten vor allem die Einheimischen oder Neu-Einheimischen durch die StrĂ€sschen, also eigentlich muss ich eher sagen das StrĂ€sschen, denn viel mehr als eine staubige Strasse hatte es auf der Insel nicht. Gewohnt hab ich beim Couchsurfer Alec. Nach ein paar entspannten Tagen herumtrödeln, in den immergleichen Bars rumhĂ€ngen und ein bisschen schnorcheln, KokosnussschlĂŒrfen und HĂ€ngemĂ€ttelen habe ich dann mal noch eine Schnorcheltour gebucht. Eigentlich wĂ€re ja Tauchen auch wieder sehr toll gewesen, aber Tauchen ist auf Belize dann nochmals ein gutes StĂŒck teurer als anderswo. Also gings mit Captain Caveman auf Schnorchelsafari. Die Tour war eigentlich ganz witzig. Wir schnorchelten an einem Wrack, hatten einen schönen Tunnel zum durchtauchen und sahen jede Menge bunter Fische und viele Haie und Rochen. Das Highlight waren jedoch die beiden SeekĂŒhe. Anfangs dachte ich die wĂ€ren ja wohl nicht sooo super aufregend. Aber als ich die riesigen Tiere dann mit einer ungeschlagenen GemĂŒtlichkeit herumschwimmen sah, war dann schnell klar, dies ist wohl das coolste Tier der Welt und wenn das Boot nicht irgendwann wieder losgefahren wĂ€re, wĂ€re ich wohl noch immer dort am plantschen. Leider hat sich dann in der ganzen Aufregung meine Unterwasserkamera irgendwann, irgendwie und irgendwo unbemerkt auf eine grössere Reise aufgemacht und schwimmt nun wohl noch immer irgendwo zwischen Belize und Australien herum und schiesst tolle Fotos



Nach einer Woche ging es dann wieder zurĂŒck zu Ricky und meinem Velo. Eigentlich wollte ich am nĂ€chsten Morgen ja gerade frĂŒh losfahren und da Ricky eigentlich nie in den Ausgang geht und nur sehr selten trinkt sah ich dem Vorhaben auch positiv entgegen. Ich bin dann 2 Tage spĂ€ter auch effektiv losgefahren. Das Wochenende haben wir Nachts in den Klubs und Bars von Orange Walk verbracht und tagsĂŒber haben wir ein bisschen geschlafen und das Hostel renoviert.
Montag Morgen gings dann effektiv frĂŒh los mit dem Ziel etwa 120 km zu fahren
. eine sehr schlaue Idee nach ĂŒber zwei Monaten mit nahezu Null Velokilometern gerade so zu starten. So war ich dann nach 80 km ziemlich am Ende und schleppte mich aber noch 40 km weiter durch Wind und Regen, bis ich schliesslich bei einem Tropischen Ausbildungszentrum mein Zelt aufschlug und den Abend im Pool verbrachte, denn bei dem strömenden Regen schien mir dies die beste Option um möglichst «nicht nass zu werden».
Tagsdarauf hat der Regen dann endlich aufgehört, aber alles war pflotschnas von dem nĂ€chtlichen Nonstopregen. So gings dann etwas schwerer also normal gegen die Hauptstadt Belmopan zu. Belmopan ist wahrscheinlich eine der unspektakulĂ€rsten HauptstĂ€dte ĂŒberhaupt. Es gibt wirklich nichts zu sehen und nach einem kurzen Stopp auf dem Markt war ich dann auch schon wieder unterwegs ĂŒber den Hummingbird Highway ein weiteres mal gegen die KĂŒste zu. Eigentlich ein Unsinn die Strasse zu fahren, denn wenn ich spĂ€ter nach Guatemala will, muss ich eh wieder zurĂŒck nach Belmopan. Aber die 130 km bis zum kleinen KĂŒstenort Hopkins waren wirklich wunderschön. Immer weiter schlĂ€ngelt sich der Highway von Belmopan aus in die Berge hoch, immer umgeben von dichtem Dschungel, Vogelgezwitscher und AffengebrĂŒll. Und in regelmĂ€ssigen AbstĂ€nden entleerte sich eine Wolke nach der anderen, ohne Vorwarnung und ohne Zeit auch nur daran zu denken, einen Unterstand zu suchen. Übernachtet habe ich bei der Rangerstation des Blue Hole Nationalparks. Wegen dem vielen Regen war das Blue Hole dann eher brown und ich habe auf ein Bad verzichtet. Aber in der St. Germans Höhle fliesst ja auch ein Fluss und so habe ich dann das Bad 1 km tief in der Höhle bei absoluter Dunkelheit vorgezogen.

Hummingbird Highway


Hopkins ist ein ziemlich verschlafenes Dorf an der KĂŒste von Belize. Und im Oktober war es besonders verschlafen. Ich verbrachte dementsprechend entspannte Tage dort. Die AktivitĂ€ten liessen sich an einer Hand abzĂ€hlen: Essen, Schlafen, gute Livemusik, eine kleine Velotour und Baden. Ach und wie gut es tat nach der Zeit in Mexiko mit der immergleichen, ĂŒberlauten Ramschmusik endlich wieder mal gute Musik zu hören. Ob es nun ein Reggaekonzert in einer Bar, ein Garifuna Trommelanlass mitten auf der Strassenkreuzung oder die frĂŒhmorgendliche Aufwachmusik des Nachbarn war, die Musik war immer gut. Ich muss sagen, das verschlafene Hopkins mit dem lustigen Garifunas und ihren Trommeln vermisse ich am meisten von Belize, dort wĂŒrde es sich gut leben lassen 🙂
Eigentlich wĂ€re ich ja gerne noch zum Glover Atoll rausgefahren (also mit dem Boot, nicht Velo), aber da der liebe Grenzbeamte mir natĂŒrlich das Visum schön knapp ausgestellt hatte, musste ich dies leider auslassen und den Hummingbird Highway ein zweites mal unter die RĂ€der nehmen. Gezeltet habe ich dann wiederum bei den Rangern. Als ich ankam waren diese gerade in eine Partie Domino vertieft und waren sehr erfreut dass nun endlich der fehlende vierte Spieler eintraf. So hatte ich nicht einmal Zeit die verschwitzten Velokleider zu wechseln und befand mich stattdessen sogleich in einer hitzigen Partie Domino. Vor Belize fand ich ja dass Domino eher ein langweiliges Kinderspiel ist. Aber dem ist ganz und gar nicht so. Will man gewinnen muss man extrem bei der Sache sein, weit vorausdenken (nicht ganz einfach), den Gegner lesen können und vor allem die Mogeleien der Belizianer rechtzeitig erkennen. So habe ich dann nach ein paar Runden auch endlich mal angefangen zu gewinnen 😀 Danach gabs ein leckeres Znacht bei den Rangern bevor ich ein weiteres mal in meinem Zelt in einen tiefen Schlaf falle.
ZurĂŒck in Belmopan war die Stadt noch immer nicht interessanter geworden und so strampelte ich weiter, via San Ignacio und den Ruinen von Cahal Pech der Guatemaltekischen Grenze entgegen.

This is Hopkins


Von Belize wusste ich ja nicht so recht was mich da erwarten wĂŒrde, ausser dem berĂŒhmten Barrierriff wusste ich nicht viel von dem Land. Nun weiss ich dass es ein sehr spezielles Land ist, an touristischen Ecken ziemlich teuer und man wird gerne abgezockt, an den untouristischen Orten trifft man auf die lustigsten und fröhlichsten Menschen und man weiss nie ob man nun Spanisch, Englisch, Kreol oder Garifuna sprechen muss (ok, ich konnte nur zwischen Spanisch und Englisch wĂ€hlen). Ansonsten bleiben mir vor allem der viele Regen, die schöne Unterwasserwelt und den artenreichen Dschungel und den guten Musikgeschmack in Erinnerung. Ah ja, und dass man seine Kamera immer gut festhalten sollte 🙂 Und jetzt ab nach Guatemala!

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