Ecuador (19.5.-2.7.)

In Tulcan, der Grenzstadt auf ecuadorianischer Seite, wurden wir von der Feuerwehr freundlich in Empfang genommen und verbrachten die Nacht im trockenen in deren Fittnessraum. Da der Chef jedoch nichts von unserer Anwesenheit wusste, mussten wir am nächsten Morgen bereits um 6 Uhr verschwunden sein. Wir standen um 5 Uhr auf, packten unsere sieben Sachen und machten uns auf den Weg. Es goss wie aus Kübeln und ich verpackte mich von Kopf bis Fuss in meine Plastik-Regenkleider. Nico ging die Sache anders an, er startete mal direkt in T-Shirt und Shorts in den Regentag. Wir kämpften uns in der Dämmerung quer durch die Stadt und warfen unter einer verlassenen Tankstelle unser Frühstücksmüesli ein. Mir wurde schnell kalt und ich wollte sofort weiter fahren – Nico war auch kalt, aber wollte plötzlich nichts mehr wissen von Velofahren…. Und so begann ein erster, mühsamer Streit. Immerhin konnte ich ihn dann motivieren mindestens bis zu einer Beiz noch zu fahren und dort an der Wärme zu warten. Nach 2 Stunden rumwarten, wurde ich zu zappelig und setzte durch, dass wir jetzt endlich fuhren. Wir wollten der Trans-Ecuador-Mountanbike-Route (TEMBR) folgen. Die Strecke zieht sich von der kolumbianischen Grenze bis zur Grenze mit Peru quer durch Ecuador und folgt weitgehend einsamen Schotterpisten durch die Anden. Ich freute mich riesig auf die Strecke, denn so sollten wir das Land weitgehend verkehrsfrei und durch wunderschöne Landschaften erkunden können.


Rasch waren wir aus Tulcan raus und die Schotterstrecke begann und führte uns immer höher in die Anden rein. Trotz des Dauerregens und extrem aufgeweichter Piste konnte ich alles fahren und es machte Spass, um die Pfützen zu zirkeln und möglichts nicht auszurutschen auf dem Matsch. Nico hatte etwas weniger Spass – gut, das hätte ich wohl auch gehabt, wenn ich in nassen Kleider gefahren wäre. Wir kurbelten uns langsam aber stetig immer höher gegen die Berge und die Reserva El Angel zu. Die Reserva besteht aus einem rund 160 km2 grossen Schutzgebiet in welchem die eigenartigen Frailejones “Gewächse“ vorkommen. Frailejones sind weder Baum noch Strauch noch Fisch noch Vogel. Es sind einfach die eigenartigen Freilejones und kommen nur in dieser Region vor.


So verliessen wir bald die letzten Häuser, Landwirtschaftsfelder und agressiven Hunde und befanden uns bald inmitten der eigenatigen Freilejones Landschaft.
Genau zur Mittagspause hörte es kurz auf zu regnen und wir konnten in Ruhe Mittagessen. Wir fanden sogar einen Tisch – wie gediegen war das denn! Danach gings mit Regen und Freilejones weiter, bis wir gegen vier Uhr die Rangerstation des Schutzgebietes erreichten. Der nette Ranger lud uns sofort ein, in der Station in einem Bett zu nächtigen und da es gerade wieder aufgehört hatte zu regnen, nahm er uns mit auf eine kleine Exkursion durch die Frailejones und zu den Lagunen wo wir einen tollen Sonnenuntergang genossen – zum Glück sind wir gefahren 😀

Tags darauf ging es in einem langen Downhill zuerst auf Dreck, dann auf den unmöglichen, ecuadorianische Kopfsteinpflasern und schlussendlich noch auf Asphalt von 3700 m auf 1600 m runter und die Kleiderschichten landeten nach und nach wieder in den Sagoschen.

Unser nächstes Ziel war Otavalo. Die kleine Stadt ist für ihren riesigen, bunten Markt bekannt, auf wechem die indigenen Frauen aus der Region ihre Textilhandwerke anbieten. Leider waren wir zum falschen Tag in der Stadt. Wir begnügten uns daher mit dem täglich stattfindenden, kleineren Markt an der Plaza de Ponchos. Am liebsten hätten wir den ganzen Markt leergekauft, denn die handgestrickten Kleider aus Alpaka und Lamawolle waren wirklich wunderschön und auch extrem preiswert. Wir begnügten uns schlissendlich mit je einem paar warmen Socken.

Otavalo bei Sonnenuntergang

Der Weg aus Otavalo raus war eine Qual. Es ging nicht nur steil rauf, sondern auch noch alles auf Kopfsteinpflaster! Irgendwann um die Mittagszeit haben wir den Anstieg dann doch mal geschaft. Mit ein Bisschen fluchen, schieben und lauter Musik gings irgendwie und wir erreichten am frühen Nachmittag die schöne Laguna Mojanda, köchelten unser Mittagessen und machen uns an die Abfahrt gegen Quito zu. Der Weg wurde nun zunehmend schlammig, aber mit den Velos kein Problem denn wir brauchten ja nur 5 cm stabilen Untergrund für unsere schmalen Pneus. Nicht so einfach war es mit einem Auto und ein paar Ecuadorianer schaffen es tatsächlich ihre BEIDEN Autos im Schlamm zu versenken.
Nun, was tun? Wir waren noch sehr gut in der Zeit und hätten noch die ganze Abfahrt schaffen können, aber irgendwie konnten wir die hilflosen Tölpel auch nicht einfach auf dem Berg sitzen lassen. Nebsts uns wa noch ein deutscher Touri auf dem Berg und mit vereinten kräften versuchten wir die Autos aus dem Schlamm zu befreien. Und wir drehten fast ganau so durch wie die Autoräder: die Ecuadorianer standen nur rum – in sicherem Abstand zum Schlamm und die Fahrzeugführer stellten sich nun wirklich sehr unbeholfen an und denken das möglichs viel Bremsen das Auto schon irgendwie befreien würde. Irgendwann war immerhin ein Auto aus dem Schlamm raus und wir machten uns zackig aus dem Staub – äh Schlamm, denn wir haben genug von der aussichtslosen Übung und das zweite Auto steckte noch viel tiefer im Schlamm.
Noch ein kurzer Fotostop an der nächsten Lagune und ab ging die Post, alles runter auf einem rassigen Dreckssträsschen. Die Strasse wurde immer schlechter und wir wurden immer mehr zu krassen Mountainbikern. Irgendwann nahm ich mal die Karte zur Hand um zu schauen wo wir überhaupt waren. Und wir waren definitiv falsch! Das hatten wir nun davon, einfach mal dem offensichtlichsten Weg nach unten zu folgen. Wir waren zwar nur 3 Kilometer weit gekommen, aber bis wir diese wieder zurück zur Lagune geschafft hatten verstrichen gute 2 Stunden. Und wir merken uns: in den Bergen Ecuadors besser einmal zuviel auf die Karte schauen.

Trotz diesem kleinen Abstecher waren wir beide noch bester Laune und fanden es erstaunlich lustig. Vielleicht waren wir insgeheim auch einfach froh, dass es nun so spät geworden war, dass wir an dieser schönen Lagune campen mussten. Es war wirklich ein toller Ort zum zelten.

Nach einer ruhigen Nacht nahmen wir dann mal den richtigen Weg und schlitterten buchstäblich gegen Quito zu. Der Weg war so steil und gitschig, dass wir sehr aufpassen mussten, dass es uns nicht hinlegte. Hingelegt hat es uns natürlich dennoch. Und so erreichten wir dann schön eingesaut das nächste Dorf und Asfalt.
Und auf Asfalt gehts bekanntlich schnell. So schnell dass wir nicht mal mitgekriegt haben als wir den Äquator überquerten 🙁 Erst tagsdarauf realisierten wir dass wir nun definitiv auf der Südhalbkugel sind, denn die WC Spühlung drehte nun ganz anders 🙂
Die letzten zwei Tage gegen Quito zu fuhren wir auf dem “Rail Trail“, einer alten Eisenbahnstrecke, welche zu einem Veloweg umgestaltet wurde. Die ersten Kilometer waren zum Teil noch etwas abenteuerlich, denn der Trail wird wohl nicht sehr oft befahren und an einigen Stellen war er auch noch von unpassierbaren Erdrutschen zugeschüttet und seither halt einfach nicht mehr befahrbar – wilkommen in Lateinamerika wieder einmal. Je näher wir der Hauptstadt kamen desto mehr Verkehr kam auf und wir zirkelten nun nicht mehr um Pfützen und Sträucher sondern um Kinderwagen, Jogger, Biker und Hündeler.

Unser eigentliches Ziel war nicht Quito selbst, sondern Tumbaco, ein Vorort der Hauptstadt. Hier gibt es die zweitälteste Casa del Ciclista und dieser wollten wir natürlich einen Besuch abstatten. Im Garten von Santiagos Haus standen schon einige Zelte und wir suchten uns noch zwei freie Plätzchen für unsere. Es herrschte reges Treiben in der Casa und wir traffen wieder auf altbekannte Gesichter wie Sara, Scott und Tom, aber auch auf viele neue Velofahrer. Einige waren wie wir unterwegs gegen Süden, andere gegen Norden und einige wohnten schon seit Monaten in der Casa del Ciclista. Ein wunderbarer Ort um ein paar entspannte Tage mit velofahrer-typischen Aktivitäten zu verbringen: Essen, Schlafen, Kaffee trinken, Routenpläne schmieden und austauschen und an Velo und Material etwas Zuwendung schenken.

Auch Routenplanung war angesagt in Tumbaco. Nico wollte umbedingt die Galapagosinseln besuchen, denn viel näher als hier würden wir den Inseln wohl nicht mehr kommen. Ich wollte lieber weiterfahren um das wettertechnisch günstige Zeitfenster des Winters/Trockenzeit in Ecuador, Peru und Bolivien optimal nutzen zu können. Ich liess mich schlussendlich von Nico und Santiago (dem Tätschmeister der Casa del Ciclista) überreden und der Flug auf die Insel war gebucht.

Die Galapagos Inseln kann man eigentlich auf drei Arten besuchen. Entweder man bucht einen Cruise, bei welchem man direkt auf einem Schiff wohnt, isst und schläft und vom Käpten direkt an die interessantesten Orte des Archipels geschippert wird. Dies ist sicher die ergiebigste Option und man kriegt in kurzer Zeit ein Maximum an Galapagos geboten und erreicht auch Inseln, welche weiter weg sind und sonst nicht besucht werden können. Dies ist aber auch die teuerse Option. Die zweite Option ist, auf den drei grössten Inseln in Hotels zu wohnen und mit Tagesausflügen die Attraktionen zu besuchen. Die wohl coolste Option währe mit dem eigenen Schiff dort herum zu tuckern, aber da muss ich mal mit Papa schauen ob Elojio Pazifiktauglich wäre. Wir entschieden uns für Option 2 und besuchten für ein paar Tage die Attraktionen der Insel Santa Cruz. Und dazu musste man gar nicht weit gehen. Bereits auf dem Weg vom Flugplatz zum Hotel begegneten uns einige der Galapagos Landechsen, welche sich gerne am Strassenrand auf dem warmen Asfalt aufheizen. Auch beim Spaziergang durch das Städtchen Puerto Ayora begegneten uns immer wieder Seehunde, Pelikane und Echsen. Und am Hafen sind dann auch die meisten Sitzbänke von Seehunden besetzt. Abends dann geht das Spektakel am Pier los. Die Beleuchtung des Piers lockt die Fische an und die Seehunde liefern eine wunderbare Show wenn sie nach diesen jagen. Auch die Haie und Rochen werden angelockt und ich konnte stundenlang dem Freilufttheater zuschauen. So gingen wir dann auch jeden Abend, bewaffnet mit leckerem Icecream zur Show.

Santa Cruz hatte aber noch mehr zu bieten. Unter anderem die bekannten Riesenschildkröten, einige schöne Strände zum schnorcheln, imposante Lavatunnels, Vulkankrater und vieles mehr. Zudem hatte es in der Stadt die grösste Dichte an Tauchshops und das war wichtig, denn ich wollte umbedingt mit den Hammerhaien etwas zimmern. Das Tauchen auf Galapagos war sehr eindrücklich, denn ähnlich wie schon in Coiba wimmelt es hier nur so von Meeresbewohnern. Leider hatte es gerade relativ wenig bis keine Strömung, was dann auch die Hammerhaie nicht so toll fanden und ich leider keinen zu Gesicht bekam 🙁 Das coolste war jedoch während einer Oberflächepause zwischen den Tauchgängen mit den Seehunden zu schnorcheln. Man musste aber richtig aufpassen, denn die Schlingel versuchten sich immer von hinten anzuschleichen und in die Flossen zu beissen um danach vor mir davon zu schwimmen bis der nächste wieder zupackte – es war herrlich und ich glaube, Seehunde sind noch cooler als die Seekühe von Belize.

Auf Galapagos vergeht die Zeit viel zu schnell und es reichte uns nur noch eine weitere Insel zu besuchen – Isabella. Hier hatten wir wieder jede Menge Spass mit den lustigen Seehunden, Flamingos, Leguanen, Krebsen, Galapagos Pinguinen und den Blaufusstölpeln. Auch unternahmen wir eine kleine Wanderung auf den aktiven Vulkan Sierra Negra und ich versuchte nochmals mein Glück mit den Hammerhaien. Und diesmal hatte ich Glück und wie! Wir tauchten an der Insel Tortuga entlang des Riffs. Auf der rechten Seite hatten wir nun das Riff mit unzähligen Rifffischen und links gings einfach hinaus ins Blau. Plötzlich sah ich einen Schatten im linken Augenwinkel, drehte mich um und schaute – nix. Und dann plötzlich tauchte der erste auf, direkt aus dem Blau kam er auf mich zu und ich muss sagen es war eindrücklich. Die Fische sind riesig und mit ihrem markanten Gesicht sorgten sie schon ein Bisschen für Gänsehaut unter dem Neoprenanzug. Schlussendlich habe ich 6 Hammerhaie gesehen und es war eines der tollsten Erlebnisse der Reise. Leider tauchten die Tiere immer erst gegen Ende des Tauchgangs auf und mit der immer knapper werdenden Luft im Tank blieben die Begegnungen mit den Tieren bis zum letzten Atemzug spannend.

Nach 10 Tagen auf den Inseln war es für uns leider schon wieder Zeit diese zu verlassen. Vor dem Abflug hatten wir noch etwas Zeit und ich ging auf dem Flugplatzgelände nochmals auf Landechsensuche. Gefunden habe ich leider keine, wurde dafür aber noch fast verhaftet – anscheinend darf man dort nicht nach Echsen suchen….

Zurück auf dem Festland schafften wir es noch einen Ausflug nach Quito zu unternehmen, bevor es wieder weiter ging auf der Mountainbikeroute Richtung Süden. Emil, der gemütliche Schwede schloss sich uns an und so starteten wir zu dritt in Richtung des Vulkans Cotopaxi. Wir schafften knapp 40 Kilometer und stellten unsere Zelte bei einem Bauernhof auf 2700 müM auf und da machte sich der Abstecher auf Meeresniveau erst mal Richtig bemerkbar. Mir war während des ganzen Abends schwindlig, kalt und ich hatte kaum Appetit. Zudem hämmerten die Kopfschmerzen noch auf die Rübe. Am nächsten Morgen war dann alles wieder Roger und wir konnten den verbleibenden Aufstieg auf 4200 Meter in Angriff nehmen.

Die Strecke zum Vulkan Cotopaxi war wunderschön und schon von weitem konnten wir den Vulkan sehen, respektive einen Teil davon. Der Gipfel war die ganze Zeit in dicke Wolken gehüllt. Wir stellten unsere Zelte direkt vor dem Vulkan auf und warteten darauf, dass sich die Wolken verziehen. Leider verzogen sie sich auch bis zum nächsten Morgen nicht. Wir wollten den Vulkan umbedingt aber sehen und blieben noch einen ganzen Tag an Ort und Stelle. Und so verging mein Geburtstag vorallem mit Kaffee trinken, lesen, einer kleinen Wanderung und Abwarten. Eigentlich wollten wir ja an dem Tag wieder runter in die Zivilisation fahren und Kuchen essen, aber das fiel nun halt aus.
Als wir von der kleinen Wanderung zur Lagune (und einem sehr erfrischenden Bad im Bach) zurück kamen, stand plötzlich noch ein Camper bei unseren Zelten. Der Sepp aus Unteriberg war eingetroffen und wir verbrachten einen lustigen Geburtstagsnami zusammen und Sepp zauberte dann auch kurzerhand einen Kuchen und Kafi Luz aus seinem Expeditionsgefährt – super.


Am nächsten Morgen lud uns Sepp ein, mit ihm noch das letzte Stück der Strasse hoch zum Cotopaxi zu fahren. So wurden wir auf der Holperpiste eine knappe Stunde, zum Geklimper von Kuhglocken welche überall im Camper aufgehängt waren, durchgeschüttelt bevor wir auf 4600 m ausstiegen und fast weggeblasen wurden, denn der Wind dort oben war extrem.
Gegen Mittag waren wir wieder unten bei unseren Velos und fuhren weiter. Es wurde höchste Zeit, denn wir hatten nun definitiv alle Essensvorräte restlos aufgebraucht und hatten ordentlich Hunger.
Wir schafften es ein gutes Stück weiter und landen im kleinen Bergdorf Chilche wo wir uns in der alten Schule einquartieren konnten. Die fünf Nachbarskinder waren einerseits extrem neugierig was die Gringos machten, andererseits aber auch sehr schüchtern. So drängen sie sich eng zusammen in eine Ecke des Schulraums und beobachteten jede unserer Bewegungen. Sprechen wollen sie mit uns lieber nicht. Erst als Nico mit der Idee kam, Papierflieger zu basteln verloren die Kinder ihre Schüchternheit und ein spassiger Abend mit wildem Papierfliegerwettfliegen begann.


Am nächsten Tag wurde es plötzlich windig. Wir waren noch immer auf der Transecuador Mountainbike Route unterwegs und kämpften uns entlang einsamer Wege über Berge, durch Täler und ab und an ein kleines Dorf. Der extrem starke Wind half uns zwar zwischendurch eine Steigung rauf, schüttelte uns aber meistens aus einer anderen Richtung durch und gestaltete das sonst schon anspruchsvolle Fahren noch ein Bisschen interessanter. Die Route führte uns vorbei am Vulkan Quilatoa mit der schönen Kraterlagune wo wir bei Vollmond zelten.

Laguna Quilatoa


Wenige Tage später tauchte das nächste Highlight vor uns aus, der 6268 m hohe Vulkan Chimborazo. Und diesmal hatten wir definitiv mehr Glück mit dem Wetter. Bei praktisch wolkenlosem Wetter kamen wir dem Vulkan immer näher bis wir schliesslich das Empfangszentrum des Naturparks erreichten. Wir wollten eigentlich gleich weiter, denn die Strasse führt noch bis auf 4800 m hoch zu einem Refugio. Dort wollten wir die nacht zelten. Der Parkranger riet uns aber dringend ab dort zu zelten, denn der Wind sei oben noch viel stärker als hier unten auf 4200 m. Wir wussten nicht recht, denn wir würden schon sehr gerne oben zelten. Schlussendlich blieben wir unten und schlugen unser Nachtlager im Windgeschützten Eingang des Besucherzentrums auf.
Am nächsten Morgen machten wir uns früh auf, mit leichtem Gepäck, um die restlichen 600 hm zu bewältigen. Und wir waren fast ein Bisschen froh, am Vorabend nicht noch hochgefahren zu sein, denn auf dieser Höhe Velo zu fahren war definitiv anstrengend und wir mussten all paar Meter anhalten und durchatmen. Irgendwann hatten wir es geschafft und erreichten das Refugio wo wir uns die beste heisse Schoggi der Welt gönnen – mit kleinen Marshmellowstückchen drin 🙂
Mit einer kurzen Wanderung rauf auf 5200 m zu einer Lagune, wo es noch viiiiel stärker windete, schlossen wir mit dem Chimborazo ab und machten uns auf den Rückweg. Nico folgte der Strasse, ich wagte mich auf den Biketrail. Naja, ich bin irgendwie heil runter gekommen, habe aber mein Fully doch extrem vermisst. Läck wäre das ein Gaudi gewesen….

Wieder zurück beim Zentrum schnallten wir unsere Taschen wieder an und machten uns au den Weg. Der Wind war nun so stark, dass der Sand meterhoch durch die Luft gewirbelt wurde und uns bis auf Kopfhöhe Kieselsteingrosse Körner um die Ohren flogen. Und nicht nur um die Ohren, sondern auch voll dauf. Es chlepfte und tätschte auf Sonnenbrille, Kaputze und überall wo die Steinchen auftrafen. Nach einer guten Stunde hatten wir uns endlich genügend tief vom Vulkan entfernt und verliessen die windige Gegend – mit ziemlich schwarzen Köpfen und einem Knirschen zwischen den Zähnen.

Ab hier führt die Transecuador MTB Route in grossen Schleifen, unzähligen Höhenmeter und Umwegen weiter gegen Süden, nur um nicht dem Asfalt zu folgen. Wir stiegen aus und wechselten auf den Highway welcher uns zügig südwärts führte. Der Asfalt war perfekt, der Verkehr gering und die Landschaften schön, uns gefiels. Und als wir in der Feuerwehrstation von Chuchi äussert willkommen waren und die wohl beste Dusche von Südamerika (heiss UND guter Wasserdruck) genossen und endlich mal den ganzen and abspühlen konnten, fühlten wir uns wie neu geboren.

Nach einem langen und anstrengenden Tag erreichten wir das Städtchen El Tambo und liessen uns wieder mal von der Feuerwehr aufnehmen. Zum Znacht gabs etwas ganz spezielles, nicht nur Reis mit Linsen, sondern wir gönnten uns auch ein Pack Würstchen. Nico konnte es kaum erwarten und stibitzte schon mal ein Rädli rauhes Würstchen aus der Küche und wurde sofort bestraft: er verbrachte die Nacht und den ganzen nächsten Tag zwischen Bett und Toilette.
Wir waren gerade am Wochenende der Sommer-, oder hier besser gesagt Winterwende in El Tambo. Im ganzen Andenraum wird zu diesem Ereignis das Inti Raimi Fest gefeiert, eines der grössten Events des Andenraums überhaupt. Mit traditionellen Tänzen, Konzerten, Essensopferungen und vielem mehr wird gefeiert, dass der Winter vorbei ist und die Tage endlich wieder länger werden. Ein Riesenevent fand nur 10 km von El Tambo entfernt statt, im aercheologischen Komplex von Ingapirca. Da Nico flach lag, nutzte ich den Tag und besuchte den letzten Tag des Festes in Ingapirca und harrte mit ein paar weiteren Besucher bei Kälte und Nieselregen aus und genoss die verschiedensten Tanzdarbierungen von Tanzgruppen aus dem ganzen Land.

Kaum war Nico wieder fit rasten wir mit gutem Rückenwind und bis zu 83 km/h (juhuiiii, nochmal!) gegen die Stadt Cuenca zu. Cuenca soll eine der schönsten Städte des Landes sein. Ja schön war sie, aber irgendwie konnte sie uns trotzdem nicht gerade umhauen und nach zwei Tagen Pause waren wir schon wieder unterwegs und kamen der Grenze zu Peru rasch näher. Wir wurden mal noch über Nacht in einer Fischzucht eingesperrt, schliefen in einem Schweineschlachthaus, durchquerten etliche Zuckerrohrfelder und fluchten zwischendurch ab den unmöglich steilen ecuadorianischen Strassen.

Die letzten Tage bis zur Grenze „Las Balsas“ zeigen sich nochmals von der echt ecuadorianischen Seite: es war brütend heiss den ganzen Tag, die Strassenqualität der Piste ist miserabel und die Steigungn viel zu steil und auch die Abfahrten waren wegen der Steilheit kein Spass und wir brachen uns fast die Finger vor lauter Bremsen. Und es ging immer nur hoch und runter und hoch und runter und hoch und runter, aber sicher nie flach (ja, zu dem Zeitpunkt kannten wir Peru noch nicht, sonst hätten wir wohl nicht so gejammert).

Unterwegs zur Grenze

Irgendwann lag dann auch die letzte Monsterabfahrt an den Grenzfluss hinter uns und wir näherten uns dem kleinen Migrationshäuschen. Wir waren weit und breit die einzigen Grenzgänger, das sollte wohl der schnellste Grenzübertritt der Reise werden – sollte. Mehr zum wohl südamerikanischsten Grenzübertritt im nächsten Eintrag.

1 thought on “Ecuador (19.5.-2.7.)”

  1. Hola Chris, nice write up of your trip through Ecuador. Glad you were able to include a trip to the Galapagos too, and wonderful photos throughout. I had to look up what a „Schmutzli“ was, and cracked up at the photos of that! Thanks for sharing, keep safe and God Bless you on your continuing adventure!

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