Whitepass & Chilkoot Trail: Auf den Spuren der Goldgräber (31. Juli – 5. August)

Die nächsten Tage standen ganz im Zentrum der Goldgräber Zeit. Da bekanntlich kurz vor der letzten Jahrhundertwende in Dawson City Gold gefunden wurde, wollte ja alle Welt dorthin. Wir haben uns nun im Folgenden auf zwei der möglich Wege begeben. Von Süden her kommend, konnte man bis nach Skagway einigermassen einfach den Wasserweg nehmen. Dort musste man das Wasser verlassen und auf dem Landweg soweit gehen, bis man seine Güter wieder verschiffen konnte und via Yukon nach Dawson fahren konnte. In Skagway hatte man zwei Optionen: Whitepass oder Chilkoot Pass. In 1897-98 sollen 50’000 Leute die Chilkoot Route gemacht haben. Wohlhabendere Leute haben die Route komplett übers Wasser genommen; mit dem Dampfschiff übers Meer und dann von der Beringsee direkt über den Yukon nach Dawson
Von Whitehorse her kommend führte unsere Route direkt über den Whitepass nach Skagway. Dort haben wir unsere Velos gegen zwei Rucksäcke getauscht und sind die alte Route über den Chilkoot Trail gewandert.
Die zwei Tage zwischen Whitehorse und Skagway waren für mich bisher die schönsten Velotage. Zwar mussten wir 1000 Höhenmeter bewältigen aber die Landschaft kompensierte alle Anstrengung. Am ersten Tag fuhren wir bis nach Carcross. Der Name hat nichts mit Autos zu tun – was ich tatsächlich geglaubt habe… Carcross kürzt Caribou Crossing ab. Es ist ein hübsch zurecht gemachtes First Nation Dorf. Die Strecke führte über unzählige Hügel, entlang von Bächen und Seen durch schöne Wälder. Unterwegs haben wir Sarah und Scott getroffen. Sie sind seit mehreren Jahren unterwegs. Lustigerweise verfolgt Christian ihren Blog. Wir sind die zweite Hälfte der Strecke nach Carcross zusammen gefahren. Zum ersten Mal fuhren wir zu viert.

Unterwegs bekamen wir den Tipp, in Carcross am Strand zu zelten. Den haben wir natürlich befolgt. Da es bei unserer Ankunft schon abend nach zehn Uhr war, hatten wir keine Hemmungen direkt auf der PicNic Plattform unsere Zelte aufzuschlagen. Neben der Plattform gab es sogar WCs und mit dem See hatten wir fliessendes Wasser. Mit der Plattform hatten wir den perfekten Platz für das 1. August – Zmorge.

Nach einem ausgiebigen Zmorge sind wir dann Richtung Skagway gestartet. Entlang von mehreren Seen fuhren wir Richtung Whitepass. Während 80 Kilometer steigt man gemähchlich 1000 Höhenmeter, welche man dann innerhalb 20 Kilometer wieder vernichtet. Wir starteten in der bewaldeten Zone, erreichten aber bald die Waldgrenze. Hier wurde es dann wahnsinnig schön! Mich hat diese alpine Zone stark an die Grimselregion erinnert. Und däheim isches halt am schenschte!

Nach dem Grenzposten Fraser mit dem Kanadischen Zoll folgt ungefähr dreissig Kilometer Niemandsland. Fraser haben wir erst gegen sieben Uhr abends erreicht, dort haben wir noch unser Wasser auffüllen lassen. Danach haben wir begonnen, Ausschau nach einem Übernachtungsplatz zu halten. Schlussendlich hat uns kein Platz so richtig gepasst, überall waren die Mücken sehr aggressiv. Deshalb sind wir immer weiter gefahren, bis wir es dann auf die Passhöhe geschafft haben, wo die eigentliche Grenze liegt. An der Grenze haben wir die Zeitzone gewechselt und damit wieder eine Stunde gewonnen. Deshalb sind wir dann auch bis Skagway durchgefahren. Dort sind wir bei unseren nächsten Warmshower Gastgebern schlussendlich erst nach neun Uhr angekommen.
Am nächsten Tag wollten wir das Abenteuer auf dem Chilkoot Trail planen. Um auf dem Trail wandern zu können, braucht man eine Bewilligung. In der Hochsaison sind diese meistens schon Wochen im Voraus vergeben. Da wir es in Whitehorse nicht mehr schafften, eine Bewilligung zu kriegen, hofften wir auf das tägliche Kontingent an „Walk in“ Bewilligungen. Da wir auch die anschliessende Fährenfahrt buchen wollten, wurde die ganze Planung etwas kompliziert. Nach einigem Hin und Her zwischen den Büros von Fähre, Chilkoot und Zug konnten wir das ganze doch noch aufgleisen und noch am selben Abend loswandern. Neben der Bewilligung bekommt man auch noch eine einstündige Einführung resp. Vorbereitung auf den Trail. Nach diesem Tratra waren wir also ziemlich gespannt auf dieses Erlebnis.

Unser Warmshower Gastgeber Brian hat uns seinen uralten Rucksack ausgeliehen und uns auch gleich noch an den Start des Trails chauffiert. Der Ausgangspunkt heisst Dyea. Hier sind damals die sogenannten Stampeders hingeschifft und haben ihre Ausrüstung zum Wandern verpackt. Abends um sieben sind auch wir losgewandert. Die erste Nacht wollten wir in „Finnegans Point“ verbringen. Mit der Bewilligung für den Trail bucht man auch alle Campingplätze. Zelten darf man nur auf den vorgesehenen und gebuchten Plätzen. Die Strecke ist etwas über 60 Kilometer lang und der Chilkoot Pass liegt auf 1000 Meter. Nach dem Mittwochabend wollten wir drei weitere Tage auf dem Trail verbringen.

Nach zwei Stunden haben wir Finnegans Point auch schon erreicht. Auf den Campingplätzen gibt es jeweils Zelthütten, WCs, Anti-Bär-Schliessfächer und Holzplattformen für die Zelte. In den Zelthütten hatte es kleine Holzofen zum Einfeuern. Ausserdem musste man in diesen Hütten essen, damit nirgendwo sonst Essen verteilt wurde. In Finnegans Point wurden wir von drei Amis erreicht, die wollten uns auch gleich helfen unser Zelt aufzustellen und hätten uns am liebsten auch noch gekocht. Sie hatten vor, den Trail in fünf Tagen zu wandern.
Da wir am nächsten Tag nur 12 Kilometer wandern mussten, haben wir ausgeschlafen und sind dann erst gegen Mittag losgewandert. Die Strecke führte einigermassen flach durch einen eindrücklichen Regenwald. Unterwegs haben wir die Ruinen von Canyon City besichtigt. In Canyon City konnte man damals seine Güter auf eine Seilbahn verladen. Von dieser Seilbahn ist heute noch der Dampfkessel ( auf dem Bild)übrig. Sowieso gab es unterwegs immer wieder Artefakte zu bestaunen – hauptsächlich Dinge wie Pfannen, Drahtseile oder sonstiges rostiges Zeug. Wegen der hohen Luftfeuchtigkeit ist kaum Holz übrig geblieben.

Sheep Camp haben wir dann gegen vier Uhr erreicht. Wir wollten das Gewicht zum Tragen auf ein Minimum reduzieren, deshalb haben wir auch keine Bücher oder sonstige Unterhaltungsmedien mitgenommen. Das haben wir hier aber erstmals bereut. Zudem haben wir freudig realisert, dass wir die Strecke locker in drei Tagen schaffen würden.

Abends war auch noch ein „Ranger Talk“ angesagt. Ranger Ka(r)i hat uns auf den eigentlichen Pass vorbereitet. Er hat erklärt, dass man auf den nassen Steinen eventuell ausrutschen könnte, dass man genügend Wasser mitnehmen sollte und unbedingt auch Sonnencreme einstreichen müsste. Ranger Kari hat auch gesagt, er würde uns dann auf dem Pass erwarten, denn er würde dieses Jahr zum 15. Mal auf dem Pass stehen.
So gut vorbereitet konnte also nichts mehr schief gehen! Am nächsten Morgen wollten wir um sechs Uhr aufstehen, damit wir auch genügend Zeit für den Pass hätten. Wir sind also aufgestanden, haben gezmorgnet, gepackt und sind gegen den Pass aufgebrochen. Ich habe erst beim Kaffee realisiert, dass wir nach Kanada Zeit aufgestanden sind. Somit haben wir es dann locker geschafft, um sieben Uhr zu starten. Auf den kommenden Kilometern ging es nun stetig bergauf, die Waldgrenze haben wir schnell hinter uns gelassen und somit die alpine Zone erreicht. Artefakte gab es nun auch immer häufiger. Auf dem letzten Halt vor dem Pass war wirklich noch viel zu sehen: Knochen (Pferde?), Geschirr, Holz, Schuhsohlen und natürlich diverses Eisenzeug wie beispielsweise Büchsen. Hier begann nun der Aufstieg auf den sogenannten „Golden Stairs“. Die goldigi Stäge reicht über fast dreihundert Höhenmeter mit 100% Steigung über Steine und Felsbrocken zur Passhöhe.
Damals war es für die Stampeders nicht erledigt, wenn sie wie wir den Pass einmal bewältigt hatten. Der Kanadische Zoll wollte von jedem eine Tonne Vorräte sehen, damit sie den Kanadischen Winter überleben würden. Mit genügend Geld konnte man natürlich Träger anheuern oder die Vorräte auf die Seilbahn laden. Ansonsten blieb einem nichts anderes übrig, als das Material Kilo für Kilo von Camp zu Camp hin und her zu tragen. Die Stampeders absolvierten die Strecke also somit bis zu vierzig Mal und verbrachten mehrere Monate unterwegs. Die Strecke über Land wurde bevorzugt im Winter zurück gelegt, damit man bei der Schneeschmelze dann bereit war, das Material wieder zu verschiffen.
Wir haben den Chilkoot Pass an diesem Tag schon um zehn Uhr überquert. Auf der Passhöhe gibt es wieder ein Hüttli zum Aufwärmen, dort haben wir ausgiebig Pause gemacht. Wir hatten ja genügend Zeit. Ich muss erwähnen, dass wir aussergewöhnlich schönes Wetter hatten. Es war immer sonnig und über 25 Grad warm. Gemäss Kari ist es auf dem Pass häufig neblig. Wir waren auch etwas enttäuscht, hat uns Kari nicht wie versprochen empfangen.
Auf dem Pass überschreitet man auch wieder die Grenze nach Kanada. Auf der Kanadischen Seite hat man von Kilometer zu Kilometer schönere Aussicht. Über mehrere Schneefelder, entlang von Bergseen und Bächen wanderten wir unserem nächsten Camp „Deep Lake“ entgegen. Deep Lake erreichten wir etwa um viehr Uhr. Genügend Zeit also für ein Bad im See.
Für den nächsten Tag wurde empfohlen, in grösseren Gruppen zu wandern, da immer wieder neugierige Bären gesichtigt wurden. Leider? haben wir aber dann keinen gesehen. Der Chilkoot Trail endet in Bennet am Lake Bennet. Dort muss man heute den Zeug nehmen, der wieder zurück nach Skagway oder auch Carcross fährt. Damals hat der Bau der Eisenbahn über den Whitepass die Route über den Chilkoot Pass abgelöst. Wir hatten keine Lust, den Zug zu nehmen, da das Billet mit 100$ pro Person schon etwas teuer ist. Deshalb sind wir rund zehn Kilometer entlang der Gleise zurück zum Whitepass gewandert. Dies ist natürlich sehr illegal. Wir haben aber in Skagway auf dem Bahnhof abgeklärt, wie häufig Wanderer auf dieser Strecke Bussen gekriegt haben. Bisher wurde noch nie jemand gebüsst. Da es auch nur ein Zug pro Tag gibt, ist es nicht sehr gefährlich, auf den Gleisen zu wandern. Da es aussergewöhnlich warm war, haben wir dann aber schon etwas gelitten auf diesen letzten zehn Kilometern. Ich hatte an diesem Tag das Vergnügen mit dem uralten Rucksack. Von Kilometer zu Kilometer wurde er schwerer. Etwas nach dem Mittag sind wir dann dort angekommen, wo die Gleise die Strasse vom Whitepass kreuzen.

Zurück auf der Strasse auf dem Whitepass sind wir dann per Autostopp zurück nach Skagway gefahren. Dort sind wir sogar noch vor dem Zug angekommen.

1 thought on “Whitepass & Chilkoot Trail: Auf den Spuren der Goldgräber (31. Juli – 5. August)”

  1. Ihr Lieben,
    endlich habe ich mal euren Blog gelesen.Sooo spannend.Macht mich ganz gluschtig in 2 Jahren auch mit dem Velo loszufahren. Wahrscheinlich nicht so abenteuerhaft z.B.von Grindelwald nach Berlin!
    Wünsche euch weiterhin alles Gute, herzlich,Meje

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