Tok – Dawson City (1.- 4. Juli)

In Tok haben wir noch einmal alle Vorzüge des Campingplatzes mit fliessendem Wasser genossen: Geschirr waschen mit Seife, den Kopf richtig gründlich mit WARMEM Wasser waschen und das Zahnbürschtli nach dem Brauchen richtig auswaschen.
Auf dem Campingplatz haben wir Shantel (DiskoDisko) kennen gelernt. Sie ist unterwegs, um Geld zu sammeln für die Alzheimer Association. Hier ihr Blog.

Tetlin Junction

Am Morgen sind wir noch ins einzige Restaurant mit WLAN gegangen – letzte Infos für die Route raussuchen & Wetter schauen. Zu unserer Freude hat die Kellnerin unsere Kaffees übernommen. Zu dritt sind wir dann gestartet und haben uns an der Abzweigung gegen Chicken von ihr verabschiedet. Das Bild zeigt Tetlin Junction – das hat sicher auch schon bessere Tage gesehen.
Dann gings los! Wir wussten, dass die Kiesstrasse durch die Berge führt. Direkt an der Abzweigung begann die Strasse zu steigen, nach rund zwanzig Minuten hat auch der Regen angefangen. Wir haben also angehalten, einen Snack gegessen, Regenkleider angezogen und sind weiter gefahren. Christian hat eine Karte auf seinem Handy, da hat er geschaut, wie weit es wirklich hochgeht. Er hat mich beruhigt, dass es „nume no drü Mau chli ufe – u när aus z Loch ab bis uf Chicken“. Ich weiss jeweils gerne, was mich erwartet. So war ich also beruhigt und habe mich auf diese Hügel eingestellt. Naja, nach den drei Hügeln folgten sicher noch zwölf weitere! Dabei hat es immer mal wieder geregnet, gewindet, war kurz sonnig und dann wieder regnerisch. Trotzdem haben wir an diesem Tag 97 Kilometer geschafft! Belohnt wurden wir auf dem Campingplatz mit einem Unterstand, unter welchen wir das Zelt stellen konnten. Ausserdem hat uns der Host noch Feuerholz gebracht. Bisher musste man das Feuerholz jeweils bezahlen; mindestens fünf Dollar für vier Schitleni.
Am nächsten Tag kam die grosse Sehenswürdigkeit auf dieser Strecke: Chicken! Doch vorher mussten wir noch durch eine Baustelle fahren. In den USA gibt es auf Baustellen mit einspurigem Verkehr immer Pilotcars. Diese Autos führen jeweils die Kolonne innerhalb der Baustelle an. Bei einer anderen Baustelle (ca. drei Meilen) fuhren wir extra zuhinterst in der Kolonne und haben gedacht, dass wir den Verkehr durchlassen und dann selber fahren würden. Der Pilotcarfahrer hat aber darauf geachtet, den Verkehr so langsam anzuführen, dass wir nicht aus der Kolonne fallen. Mich hat das ziemlich gestresst, da es auch noch bergauf ging. Aber eigenlich ist es ja ganz rücksichtsvoll.
Auf der Baustelle vor Chicken durften wir dann aber nicht selber fahren. Wir konnten unsere Velos hinten auf den Pilotcar laden. Christian war auch auf der Ladefläche und ich bei der Fahrerin. Sie hat mir erzählt, dass sie auf den Baustellen täglich bis 14 Stunden arbeiten. Weiter haben sie für diese abgelegenen Baustellen jeweils ein Camp, da wohnen die Leute einige Wochen, arbeiten so viel wie möglich und gehen danach wieder nach Hause. Beim Anführen des Verkehrs durch die Baustelle, müssen sie genau aufschreiben, wie lange sie brauchen, um von Beginn bis Ende Baustelle zu fahren und wieviele Fahrzeuge in der Kolonne sind. Es dauerte also genau 23 Minuten, bis wir durch die Baustelle waren. Innnerhalb der Baustelle waren mehr als zehn Lastwagen und andere grosse Maschinen, deshalb wurde die Kolonne immer wieder gestoppt. Weiter würden die Leute, die den Verkehr lenken, immer wieder beschimpft und mit Dingen beworfen! Das war also ganz spannend 😉
Danach haben wir es dann endlich nach Chicken geschafft. Chicken war ziemlich enttäuschend. Chicken hat sieben Einwohner (Wikipedia). Chicken florierte während der Zeit des Goldrausches. Heute können die Touristen auf dem Campingplatz immer noch selber Gold schürfen. Tatsächlich wird in der Gegend auch immer noch intensiv nach Gold gesucht. Chicken heisst Chicken, weil es dort auffällig viele Schneehühner gibt. Schneehuhn heisst Ptarmigan. Dies kann aber kaum jemand aussprechen – geschweige schreiben. Deshalb wurde der Ort dann nur Chicken genannt.
Es gibt in Chicken ein grosses Huhn aus Holz, daneben ein Campingplatz, eine Bar und ein Restaurant. Erwähnenswert ist, dass Velofahrer im Restaurant eine Zimtschnecke bekommen. Da der Himmel ganz schwarz wurde, haben wir dann ungefähr drei Stunden im Restaurant gewartet und beide je etwa einen Liter Kaffee getrunken. Da der Filterkaffee hier meistens so schwach ist, kann man so viel trinken wie man will. Der wirkt ungefähr so heftig, wie bei uns Incarom. Trotzdem hat er ganz angenehm gewärmt. Beim Kaffeetrinken zählt ja das Ritual und die Gesellschaft mindestens genau so viel wie der Kaffee selber! Gegen fünf Uhr hat der Regen dann aufgehört und wir konnten weiter fahren. Die nächsten dreissig Kilometer bis zum nächsten Campingplatz waren sehr schön. Nach dem Gewitter war die Strasse nicht mehr staubig. Es hatte zwar wieder viele Hügel aber die Vegetation war auf dieser Höhe ziemlich niedrig, so hatte man eine ziemlich gute Sicht auf die umliegende Landschaft.

alter Bestand – das Gewitter im Hintergrund entzündet ein nächstes Feuer

 

Chrigu mit de tote Böim

Die Natur ist sowieso ziemlich urtümlich und interessant in dieser Gegend. Christian hat mich einmal gefragt „wieso hets da so viu toti Böim?“. Die natürlichen Sukzessionsstadien des borealen Waldes konnten wir hier ausgiebig studieren. Der alte Wald besteht hauptsächlich aus verschiedenen Nadelhölzern: Schwarzfichte (Picea mariana), Weissfichte (Picea glauca), Balsam-Tanne?? (Abies balsamea), Lärche, Drehföhre (Pinus contorta), Strauchföhre (Pinus banksiana). Die Kronen der Nadelhölzer messen jeweils höchstens einen Meter, sie sind meist auch nicht höher als zwanzig Meter. Häufig sind ganze Bestände verdorrt oder verbrannt. Gerade die Föhrenarten brauchen das Feuer, damit der Harz der Zapfen schmilzt und die Samen freigesetzt werden. Nach einem Feuer werden die Bestände dann wieder begrünt durch Zitterpappel, Schwarzpappel, Pyramidenpappel und Birke. Momentan blüht gerade das Weidenröschen, das ergibt immer wieder sehr schöne Bilder. Auf dem Dempster Highway konnten wir den brennenden Wald dann auch noch aus nächster Nähe studieren.

Aktiver Claim

Nach einer weiteren Nacht auf einem gemütlichen Campingplatz sind wir zuerst etwa fünfzehn Kilometer dem Jack Wade Creek gefolgt. An diesem Fluss dürfen alle gratis Goldwaschen. Da wir gehört haben, dass der Fluss ziemlich ausgewaschen ist, haben wir unser Glück nicht probiert. Es war aber beeindruckend, wie immer noch aktiv nach Gold gesucht wird. In den Tälern an den Flüssen sahen wir auch immer wieder aktive Goldcamps.

Top-of-the-world Highway

Nach einem weiteren Tag sind wir auf dem Top-of-the-world Highway angekommen. Der Name deutet darauf hin, dass die Strasse immer oben auf den Hügeln verläuft. Es war wunderbar sonnig und so konnten wir diese schöne Strecke sehr geniessen. Am 2. Juli sind wir dann nach Kanada eingereist. Die Grenze befindet sich an diesem Top-of-the-world Highway. Neben den Grenzgebäuden gibt es dort nichts. Der Grenzübertritt resp. -fahrt war ganz problemlos. Die kanadischen Beamten wollten nur wissen, ob wir genügend Geld und Wasser für die Reise hätten.

Geld haben wir hoffentlich genug und das Wasser haben sie uns dann aufgefüllt. Normalerweise ist es kein Problem, entlang der Strasse Wasser zu finden. Man muss es einfach abkochen oder filtern. Auf den letzten rund hundert Kilometern bis Dawson City gab es aber wirklich keine Möglichkeit, Wasser zu filtern. Nach einer Nacht auf einem Kiesplatz sind wir für die letzte Etappe nach Dawson City aufgebrochen. Die Wasserreserven hatten wir fast aufgebraucht. Wir sind dann ziemlich schnell beim Schild angekommen, das darauf hinweist, dass 14 Kilometer bergab folgen. Und tatsächlich – ohne auch nur einmal zu pedalen, standen wir plötzlich am Yukon und hatten Dawson City vor uns.

Fähre über den Yukon nach Dawson City

Übrigens sind wir am 4. Juli in Dawson City, also Kanada angekommen, haben also gerade den Nationalfeiertag der Vereinigten Staaten verpasst. Ebenso haben wir Canada Day am 1. Juli verpasst.

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