San Cristobal de las Casas – Campeche (25.3. – 4. 4)

Nach einigen gemütlichen Tagen verabschiedeten wir uns von Martin und fuhren zu zweit weiter. Nach dem wir etliche Tage nur das „normale“ Touristenleben genossen haben, liessen wir es gemütlich angehen. Wir fuhren mit fünf Kilometern die kürzeste Tagesetappe der bisherigen Reise und richteten uns danach erschöpft auf dem ersten Campingplatz ein. Das war so geplant, wir wollten die „Grutas del Mammut“ besuchen – eine Höhle mit einem Mammutzahn oder -fussabdruck. Der Stopp hat sich gelohnt! Für stolze zehn Pesos (knapp einen Franken) konnten wir die Höhlen besichtigen. Die Höhle wird mit verschieden farbigen Lampen ausgeleuchtet. Man konnte Treppchen hoch und Treppchen runter in etliche kleinere Höhlen steigen, musste zwar etwas vorsichtig sein, denn das ganze war ziemlich glitschig. Christian kam an die Grenzen mit seinen Bikeschuhen. Da ich mich nun nicht mehr erinnere, ob es einen Zahn oder Fussabdruck von einem Mammut zu sehen gab, war dieses Detail auch nicht so beeindruckend. Beeindruckend war dafür der Park vor der Höhle. Man konnte kleine Ruderboote mieten, mit der Zipline rumsausen, Fussball spielen, Souvenirstände besichtigen oder brätlen und bierlen. Wir haben uns für letzteres entschieden und uns dabei über die dicken Mexikaner an der Zipline amüsiert. Danach gab es höhenbedingt die letzte kalte Nacht in Mexico und am Morgen sogar noch Frost (das hat sich die kommenden Tage dann drastisch geändert).

Wir sattelten unsere Drahtesel und fuhren durch die schöne Berglandschaft los. Das nächste grosse Ziel hiess Palenque. San Cristobal und Palenque sind beides sehr grosse Touristenmagnete. Deshalb ist die Strasse dazwischen stark befahren, dies wollten wir umgehen und wählten eine Nebenstrasse. Die Landschaft war grandios! Wegen den Nadelbäumen und Weiden mit Vieh und Geissen hatte ich das Gefühl, bei uns durch eine Alplandschaft zu fahren. Der grosse Unterschied ist, dass die Gegend dort ständig bewohnt ist. Immer wieder fuhren wir durch kleine Dörfer. Wie schon vor San Cristobal wurden diese Dörfer vor allem von Mayas bewohnt, Chabis ist wahrscheinlich eines ihrer wichtigsten Nahrungsmittel. Die unendlich grossen Chabisfelder haben mich nun nicht mehr an Alplandschaft erinnert.

Es war wichtig, dass wir an einem gewissen Punkt wieder zurück auf die stärker befahrene Strasse wechselten. Laut Karte, mussten wir dazu nur wenige Kilometer auf einer Hügelkrete bergab gegen Osten fahren. Bei der entsprechenden Abzweigung wollten wir uns noch mal bei den Locals absichern, den richtigen Weg zu wählen. Eine gruppe Männer lungerte vor einer Kirche rum und versuchte, uns zu helfen. Nur einer sprach Spanisch und sie waren sich überhaupt nicht einig, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Nachdem endlich einer gesagt hat, dass wir da schon lang fahren könnten, machten wir uns also auf den Weg. Christians Kartenapp hat unsere Routenwahl zusätzlich bestätigt und wir bogen also in eine abenteuerliche Schotterpiste ab. Zuerst gings bergab und etwas weiter fuhren wir auch schon auf eine asphaltierte Strasse, der wir dann gefolgt sind. Die ersten Kilometer waren noch angenehm, danach wurde es immer mühsamer: Vom Asphalt wechselten wir auf Schotter in gutem Zustand, dann auf eine schmalere Schotterpiste, dann noch eine Waldstrasse und am Schluss schoben wir die Velos auf einem Wanderpfad durch den Wald. Hätten wir uns nicht durch den Asphalt verführen lassen, wären wir wohl ganz gemütlich stets bergab auf der stark befahrenen Strasse gelandet. Stattdessen gings hoch und runter durch kleine Siedlungen, wo uns nicht mal die Bewohner immer die gleiche Richtung wiesen. Dank unseren Handys konnten wir uns eigentlich immer auf der Karte lokalisieren, haben aber die Steigungen ziemlich unterschätzt. Immerhin war unser Weg verkehrsfrei und nun mal wirklich „off the beaten track“. Zum Glück war uns da noch nicht bewusst, dass wegen den Strassenverhältnissen, -blockierungen und Rebellen davon abgeraten wird, überhaupt durch diese Region zu fahren.

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Irgendwann haben wir es dann geschafft, konnten unsere Fahrt auf der normalen Strasse fortsetzen und kamen endlich richtig vorwärts. Trotzdem haben wir es nicht bis nach Ocosingo, unserem eigentlichen Etappenziel, geschafft. Wir übernachteten in einem kleinen Restaurant direkt an der Strasse. Am nächsten Morgen früh starteten wir nach Ocosingo, wo wir zmorgnen wollten. Etwa zwei Kilometer vor dem Dorf fuhren wir auf eine Autokolonne auf. Kein Problem für uns – wir kurvten durch die parkierten Lastwagen, Busse und andere Gefährte. Vorne an der Kolonne lagen mehrere Steinblöcke auf der Strasse – das war nun also die erste Strassenblockade. Wer mit Bussen reiste, nahm ein Taxi durch das blockierte Dorf und setzte dann die Reise am anderen Dorfeingang resp. nach der zweiten Blockade mit einem anderen Bus fort. Kontrolliert wurde die Blockade von Männern mit Schlagstöcken, Gewehren und Macheten. Obwohl das Ganze friedlich verlief, war es etwas komisch, die Steinblöcke zu umfahren und durch das blockierte Dorf zu kurven. Restaurants waren zum Glück normal geöffnet, denn wir wollten ja auch noch zmorgnen. Und wir konnten uns nicht beklagen! Wir bestellten beide ein „normales“ Frühstück. Der Kellner musste bestimmt acht Mal an unseren Tisch kommen: Kaffee, Saft, Yogurt, frische Früchte, Müesli, Toast, Tortillas, Nachos, Bohnenmus, Rührei, Chilaquiles (das allerfeinste Mexikanische Frühstück), Butter und Konfitüre. Für einmal war es auch wirklich nicht schlimm, dass der richtige Käse gefehlt hat!

Frisch gestärkt ging es weiter zum Fluss Agua Azul. Wie der Name vermuten lässt, ist das blaue Wasser hier die Sehenswürdigkeit. Auf einer Länge von etwa fünf Kilometern fliesst das Wasser über unzählige Kaskaden. Man kann entlang dieser Kaskaden wandern und auch im Fluss baden und gar am Wasser zelten. Unser Besuch dieser Attraktion passte genau in die Mexikanischen Frühlings- resp. Osterferien, wir waren so also nie irgendwo alleine. Immerhin war so etwas los! Wir zelteten also am Wasser (die Mücken merkten wir erst später) und konnten somit unsere Wanderung etwas an die Randzeit mit weniger Leuten schieben. Grosse Menschenmassen trafen wir aber nun an fast allen Orten.

Am nächsten Tag starteten wir mit zweihundert saftigen Höhenmetern – am Vortag fuhren wir die noch glücklich runter. Nach zwanzig Minuten hatten wir die kurze Strecke auch schon geschafft, ich war dafür nassgeschwitzt wie noch nie! Die kommenden Tage gab es das immer mal wieder… Eine weitere Tagesetappe durch wunderschönen Regenwald führte uns nach Palenque. Immer wieder fuhren wir durch kleine Dörfer. Hier war das  Beschaffen des Essens manchmal schwierig. Einmal wollten wir noch Brot. In einem kleinen Laden stoppte ich und wollte da fragen. Als ich in den Laden (sogleich auch Wohnzimmer) eintrat, sassen zwei Kinder fasziniert vor dem Fernseher. Eines fing sofort an zu weinen und rannte zur Mutter. Die erklärte mir dann, dass bei ihnen kaum Touristen stoppen würden und sich der Bub vor mir fürchten würde. Sie schenkte uns dann sogar das Brot (allerdings steinhart). Ich glaube, es gab dann ein Geschenk an einen Strassenhund.

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Gegen Abend erreichten wir Palenque. Palenque besteht aus dem eigentlichen Dorf und den bekannten Maya-Ruinen, dazwischen liegen acht Kilometer Strasse, wo sich Hotel an Campingplatz reiht. Von einem anderen Velofahrer wussten wir, dass man in einer Bambusplantage gratis zelten kann. Die Plantage fanden wir problemlos, allerdings mussten wir dann trotzdem bezahlen. Die Chefin merkte wohl, dass sie Zelte Touristen vermieten könnte. Gerade in der Hochsaison über Ostern, waren die Unterkünfte ziemlich ausgebucht. Wie auch immer, für eine Dusche und Küche und Strom bezahlten wir gerne einige Pesos – wir hatten wahrscheinlich immer noch eine sehr günstige Unterkunft. Wir richteten uns ein und bereiteten uns auf den Besuch der Ruinen am nächsten Tag vor. Wegen der grossen Hitze (40°C) wollten wir beim Öffnen der Tore bereit stehen. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt! Wir konnten die Ruinen noch vor den grossen Besuchermassen besichtigen und waren während der grossen Mittagshitze zurück in der Bambusplantage. Palenque ist neben Tikal in Guatemala eine der grössten und am besten erhaltene Maya-Städten. Palenque existierte bereits 300 vor Christus, seine Blütezeit war dann erst zwischen 600 und 800 nach Christus. Uns hat beeindruckt, dass nur ein kleiner Teil aller Pyramiden und Gebäude den Besuchern präsentiert wird. Der grössere Teil liegt zerfallen und überwuchert im Dschungel.

Die Fahrt führte uns dann weiter nördlich in Richtung Golf von Mexico. Der aufmerksame Leser merkt nun sicher, dass wir etwas von unserer Ursprungsroute auf direktem Weg durch Mexico abgekommen sind. Dieses Land hat wahnsinnig viele Sehenswürdigkeiten zu bieten und die Leute sind so nett, dass man gar nicht schneller sein will. Seit Palenque hat sich die Vegetation von saftig grün in trocken eher grün-grau geändert, heiss war es immer. Kurz nach Palenque verliessen wir den Bundesstaat Chiapas, fuhren einige Kilometer durch Tabasco und verweilten dann länger in Campeche. Nach zwei Tagen erreichten wir in Champoton das Meer, dort durften wir unser Zelt im Innenhof eines Hotels aufstellen, obschon wahrscheinlich kaum eines der Zimmer belegt war. Eine weitere Tagesetappe führte uns nach Campeche. Wie man auf den Bildern sieht, ist Campeche eine sehr schöne Kolonialstadt, deshalb legten wir hier auch wieder mal eine längere Pause ein.

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