Prince Rupert – Banff (11. – 29. August)

Ab Prince Rupert ging es also wieder auf Kanadischem Boden (British Columbia) weiter. Wir sind kurz nach Mittag angekommen, haben unsere Vorräte aufgefüllt und sind dann noch einige Kilometer aus der Stadt raus gefahren. Nach den beiden Nächten auf der Fähre und den vorherigen Nächten in Juneau hat sich die erste Nacht im Zelt wie „däheim“ angefühlt.
Auf der Fähre haben wir Tom & Camille kennen gelernt, mit ihnen haben wir die beiden kommenden Nächte die Campingplätze geteilt. Wir waren alle etwas besorgt wegen der Wetterprognose, denn während der kommenden Woche sollte es jeden Tag regnen.
Tatsächlich hat es dann nie länger als vier Stunden am Stück geregnet. Sowieso hatten wir bisher wohl erst vier Regentage. Dies ist eigentlich super aber hier würde ein Regen wirklich nicht schaden. Momentan sind wir in Alberta, hier hat es jetzt seit Anfang Juni nicht mehr geregnet!
Die Strecke zwischen Prince Rupert und Prince George ist eher monoton. Aber wir sind das erste Mal wirklich durch Landwirtschaftsgebiet gefahren. Das erste Rind, das ich gesehen haben, habe ich noch fotografiert. Danach habe ich es aber ziemlich schnell aufgegeben.

Am zweiten Tag sind wir nach Terrace gekommen. Etwas nördlich von Terrace wohnt der Schönbächler. Ich habe mich aber nicht getraut, dort einfach hin zu fahren. (Ausserdem würde er ungefähr 40 km vom Highway entfernt wohnen.) Wir haben also wieder mit Tom & Camille einen Camping geteilt. Am nächsten Tag haben wir uns von ihnen verabschiedet, weil sie per Autostopp nach Prince George fahren wollten. Ich war schon etwas neidisch dabei! Das ist mir aber dann schnell vergangen! Die Strecke zwischen den beiden Prinzen-Städten wird auch Highway of Tears genannt. In den letzten vierzig Jahren verschwanden 19 Indianer-Mädchen beim Autostopp. Deshalb wird entlang der Strasse auch immer wieder gewarnt, dass man nicht per Autostopp fahren solle. Aufgrund der Armut in den Indianer-Dörfern haben die Mädchen aber oft keine andere Wahl, wenn sie sich fortbewegen wollen.
Wir haben uns Tag für Tag weiter Richtung Jasper vor gewagt. Von dieser Strecke will ich hier drei Highlights erwähnen:
Dave & Dorrie: Von Smithers her kommend hatten wir erst gerade 20 Kilometer geschafft, als mein Blick am Schild „Kaffeehaus“ hängen blieb. Obwohl das Lokal von aussen ziemlich heruntergekommen aussah, hatte wirklich Hoffnung auf einen „echten“ Kaffee! Drinnen wurden wir ziemlich überrascht, erstens gab es ausnahmsweise guten Kaffee, zweitens frische Mandelgipfel und die Einrichtung war zudem ziemlich hübsch! Dann wurde der Nachbartisch auch noch von Dave & Dorrie besetzt. Sie waren sehr interessiert an unserer Tour und haben auch nicht lange gezögert, uns zu ihnen nach Prince George einzuladen. Wir waren dann nur nicht ganz sicher, wozu wir eigentlich eingeladen wurden. Dorrie hat von einer Dusche gesprochen und wir haben abgemacht, am Freitag bei ihnen einzutreffen. Ich überwand also am Freitag meine „Fremde-Leute-Telefonangst“, habe angerufen und gefragt, ob es nun ok sei, vorbeizukommen. Ob wir ausserdem bei ihnen im Garten zelten dürften, wollte ich auch wissen. Dave meinte nur, Dorrie sei unser Bett schon am Vorbereiten. Da waren wir natürlich sehr erleichtert! Wir wurden dann auch mit einem kalten Bier empfangen und bis zum Schlafen alle zwei Stunden gefüttert 🙂
Ancient Forest: Dave hat uns empfohlen, beim Ancient Forest anzuhalten. Das haben wir natürlich befolgt! In diesem Provinzpark gibt es bis zu 2000 Jahre alte Rotzedern (Thuja plicata), welche locker einen BHD von zwei bis drei Meter erreichen. Aufgrund der hohen Regenmenge herrschen in diesem Wald Bedingungen wie im gemässigten Regenwald. Durch den Wald führt ein Holzsteg und viele interessante Infotafeln erklären, was es zu sehen gibt.

Mount Robson Park: Der Mount Robson ist der höchste Berg der Kanadischen Rocky Mountains. Der Berg liegt im gleichnamigen Provinzpark. Sobald man sich in einem Provinzpark befindet, ist man in seiner Bewegungsfreiheit etwas eingeschränkt. Zelten ist nur noch auf offiziellen Plätzen erlaubt und man ist  gezwungen, wieder etwas mehr Geld auszugeben. Eigentlich wollten wir beim Kinney Lake zelten gehen, der Campingplatz dort war aber schon ausgebucht. Wir begnügten uns mit dem Campingplatz neben der Strasse. Immerhin gab es dort eine Dusche! Den Kinney Lake haben wir dann am nächsten Tag besucht. Dieser See ist ein wahres Highlight!

Nach dem Besuch des Kinney Lakes haben wir unsere Rösser wieder beladen und sind nach Jasper gefahren. Obwohl wir einen Pass bezwingen mussten, ist uns die Strecke leicht gefallen. Für einmal hatten wir Rückenwind! Seit Prince Rupert hatten wir nämlich immer wieder mühsamen Gegenwind. Wir wurden gewarnt, dass man vermeiden soll, abends nach Jasper einzufahren. Alle Campingplätze seien besetzt, die Camperfahrer spinnen und es habe einfach zu viele Leute im Dorf. Naja – ich habe das nicht so empfunden! Auf dem Campingplatz fanden wir problemlos einen freien Platz! Es gibt sogenannte Walk-In Sites, die bekommt man, wenn man ohne Fahrzeug unterwegs ist.
Ich muss hier erwähnen, dass 2017 150 Jahre Kanada gefeiert wird, deshalb ist der Eintritt in alle Nationalpärke gratis, was zu einem starken Besucheransturm geführt hat.
Am 23. August hatten wir dann in Jasper einen lang ersehnten Ruhetag. Ich konnte endlich zum Coiffeur gehen und alle Vorzüge eines Dorfes geniessen. Ein nennenswerter Vorzug eines Dorfes ist auch, dass wir frische Lebensmittel einkaufen können. So freue ich mich immer, auf unser ewig gleiches „Reis mit Linsen Gericht“ zu verzichten. Wir hatten bis hierhin keinen Ruhetag eingelegt, weil wir uns mit Freunden aus der Schweiz – Magdalena und Konstantin – treffen wollten. Sie wohnen momentan in Edmonton und planten, uns über das Wochenende zu besuchen. Wir hatten also den Plan, noch einen Tag zu fahren und uns dann mit den beiden zu treffen. Christian und Konstantin haben also abgemacht, dass wir uns unterwegs in Richtung Icefields Zentrum treffen würden. Konstantin hat Christian auch vor Funklöchern gewarnt.

Wir sind also losgeradelt auf diesem Icefields Parkway. Die Strecke zwischen Jasper und Banff ist ein Muss für jeden Kanada-Touristen. Unterwegs muss man immer wieder anhalten, es gibt Bäche, Seen, Gletscher, Wälder und viele Touristen zum Anschauen. Am ersten Tag haben wir es gerade mal 50 Kilometer weit geschafft, so vieles hat uns unterwegs aufgehalten. Als Campingplatz haben wir den Honeymoon-Lake ausgesucht. Auch dieser See war wieder mega schön. Ich bin noch baden gegangen und dabei begann plötzlich diese wahnsinnig schöne Abendstimmung, die letzten Sonnenstrahlen haben den Wald am See beleuchtet. Ich wollte unbedingt ein Bild davon machen nur war ich dummerweise noch im Wasser. Da bin ich sofort ans Ufer geschwommen, im Bikini über den halben Campingplatz gesecklet und habe die Kamera geholt. Bei den Amerikanern ist es grundsätzlich etwas schwierig mit der Freizügigkeit. Sie haben also ziemlich komisch geschaut, wie ich so über den Platz gekommen bin. Janu!

Am nächsten Tag stand nun also unser Schweizer-Treffen an. Um die Pointe vorweg zu nehmen, es hat bis abends nach acht Uhr gedauert, bis wir uns gefunden haben. Denn es gibt nicht mehrere Funklöcher, sondern ein grosses, welches von Jasper bis Banff reicht. Es gibt unzählige Campingplätze oder Sehenswürdigkeiten, wo wir uns hätten aufhalten können. Umso grösser war die Freude, als die beiden uns dann endlich gefunden hatten!
Zusammen genossen wir einen velofreien Tag. In ihrem Mietauto hatten unsere beiden Velos nämlich gäbig Platz. Wir wechselten am Morgen zuerst noch auf einen anderen Campingplatz und wanderten dann noch um den schönen Bow Lake (ja Seen gibt es wirklich viele da!). Leider war dann am nächsten Morgen bereits Zeit zum Tschüss sagen! Da sie früh abfahren mussten, schafften auch wir einen frühen Start und konnten die ganze Strecke bis Banff fahren.

Unterwegs gab es noch einen Stopp bei Lake Louise. Auch hier herrschte wieder Hochbetrieb. Alle wollten den Louise See sehen. Wir haben dort natürlich auch unsere Fotos gemacht uns sind dann schnell wieder verreist. Bei einer Ausweichstelle haben etwa zehn Leute sehnsüchtig ins Tal geschaut. Zwei ferrophile Chinesen haben uns dann aufgeklärt, dass sie auf den Zug warten würden. An dieser Stelle gibt es anscheinend ein berühmtes Sujet mit den Rockies und dem Zug. Die beiden Chinesen waren schon über eine Stunde am Warten! Das wollten wir uns nicht antun und sind auch hier weiter gefahren. Somit haben wir es am Abend noch bis Banff geschafft! In Banff legten wir einen weiteren Ruhetag ein, denn wir hatten meinen runden Geburtstag zu feiern 🙂

2 thoughts on “Prince Rupert – Banff (11. – 29. August)”

  1. Liebe Christina und Christian
    Zuerst herzliche Glückwünsche, Christina, zu Deinem runden Geburtstag!!! Wir lesen Eure Berichte immer mit viel Interesse. Sind auf Sardinien, Südwesten am zelten. Gestern wunderschöne Wanderung um die Monti Ferru gemacht, durch einen Urwald mit vielen Steineichen und vielen Bäumen, welche mit Flechten zugewachsen waren. Während der Nacht starkes Gewitter, das Wasser ist uns leider ins Vorzelt gelaufen. Viel Putzarbeit. Heute solls um 14 h noch einmal „schiffen“. We will see!! Euch weiterhin alles Gute, bleibt gesund und häbet Sorg. LG Marianne und Emil

  2. Liebe Christina, lieber Christian,
    dir Christina, herzliche Glückwünsche zum runden Geburtstag (20 oder 30?)
    es ist mir ein Vergnügen eure oder besser gesagt Christinas Blogs ( so nennt man das doch?)zu lesen.
    Wir sind am Packen für Nepal. Mittlerweile freue ich mich auf das Trekking, bin aber froh,wenn wir im Flugzeug hocken und nichts Wichtiges vergessen haben. Lene und Motte kommen in einer Woche Katze, Haus und Garten hüten!
    Euch weiterhin Gutes und herzliche Grüsse, Meje

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