Guadlajara-Oaxaca (30.1.-31.2.)

In Guadalajara bin ich schlussendlich über eine Woche geblieben und das obwohl mir die Stadt eigentlich nicht sonderlich gefallen hat. Aber in der Casa Ciclista war immer etwas los. Und so verbrachte ich die meiste Zeit im Haus bei Kaffee und Kuchen mit den anderen Radfahrern. In die Stadt selbst habe ich es aber dann doch etwa 3 mal geschafft und habe mir sogar ein Museum angeschaut. Die Stadt ist riesig und laut, aber dennoch findet ma auch hier immer wieder ruhige Plätze. So kann man stundenlang irgendwo auf einer Parkbank sitzen und den Trubel beobachten.

Das Verlassen der Stadt war dann relativ spannend. Zuerst ging es auf vierspurigen Einbahnstrassen mitten durch die Stadt bis zum Stadtteil Tlaquepaque. Dieser Teil gleicht einem kleinen, niedlichen Dorf in mitten der Grossstadt. Gestärkt mit einem guten Kaffee gings dann auf Richtung Autobahn. Auf der Autobahn angekommen ging der Spass dann richtig los. Extrem viel Verkehr, alle stinken zum Himmel und ich bin andauernd in schwarzen Dieselwolken eingehüllt und versuche von ausfahrenden, einfahrenden und überholenden Fahrzeugen nicht überrollt zu werden. Und wie es sich für Mexiko gehört, hat jeder das Gefühl jederzeit und unter allen Umständen überholen zu können.

Nun gut, rund 2 Stunden später war ich dann endlich aus der Stadt raus und der Verkehr wurde wieder ruhiger. Der Rest des Tages verstrich dann relativ ereignislos auf der Autobahn Richtung Leon. Da ich mich nun etwas beeilen wollte, zeltete ich direkt auf der Autobahn hinter einer Mautstation – keine gute Idee, oder zumindest kein guter Schlaf. Die ganze Nacht durch brummten die LKWs mit der Motorbremse gegen die Mautstation um danach wieder voll zu beschleunigen.

Zwei Tage später erreichte ich dann das Städchen Guanajuato. Eine der meistbesuchten Städte Mexikos. Und ich musste ja ausgerechnet an einem langen Wochenende dort eintrudeln. In der Altstadt war mit einem Velo an kein durchkommen zu denken. So viele Menschen habe ich bis jetzt noch nie auf einem Haufen gesehen. Eine Besonderheit der Stadt sind die vielen Tunnel welche verschiedene Stadtteile miteinander verbinden. So verläuft auch der meiste Verkehr unterirdisch und Guanajuato lässt sich wunderbar zu Fuss erkunden. Ich habe dann mit den anderen Touristen die Stadt und deren Attraktionen abgeklappert, fotografiert und sass zwei Tage später wieder auf dem Velo und quälte mich die 1000hm aus der Stadt raus Richtung Dolores Hidalgo.

Wunderbare Aussicht auf Guanajuato

Dolores Hidalgo mag für die Mexikaner von grosser Bedeutung und Wichtigkeit sein, für mich war es einfach ein Übernachtungsort. Aber die Strecke dorthin war sehr schön: Wunderbare Berglandschaft mit viel Natur und wenig Verkehr. Nach einer Nacht in Dolores ging es weiter gegen San Miguel de Allende. Ähnlich wie schon Guanajuato ist auch diese Stadt sehr touristisch und wird von Amis nur so überrennt. Demensprechend gibt es hier wieder Menükarten auf Englisch mit den entsprechenden Preisen. Hier traf ich mich wieder mit Luba und Tom und den Hunden Lolo und Phoebe, welche ich auf der Baja kennen gelernt hatte. Mit ihnen verbrachte ich ein paar entspannte Tage in der Stadt.

In San Miguel blieb ich schlussendlich etwas länger als geplant, denn es schien als ob nach den rund 4 Monaten ohne Regen nun alles auf einmal vom Himmel prasselte. Als sich das Wetter wieder beruhigt hatte, gings weiter Richtung Acambaro. Hier wusste ich dass ich beim Warmshower Host Jaime unterkommen konnte. Also habe ich die 120 km in einen langen Tag gepackt, habe jedes Wetter von Wolkenlos bis Gewitter durchfahren und bin dann Abends todmüde in der Stadt angekommen und wurde sogleich mit einer heissen Dusche und leckerem Essen verwöhnt – perfekt. Eigentlich hätte ich danach gleich ins Bett liegen können. Aber es war ja erst 7 Uhr, also sind wir noch kurz auf einen Stadtrundgang losgezogen. Und es kam wie es kommen musste: Wir treffen Jaimes Frende in der Stadt, einer hat Geburtstag und anstelle von frühem Schlafengehen haben wir dann halt die ganze Nacht gefeiert und getanzt.

Mehr oder weniger fit gings dann am nächsten Morgen wieder los Richtung Naturpark „Los Azufres“. Leider liegt der Park genau auf einem 3000m hohen Berg. Also habe ich mal wieder ordentlich Höhenmeter abgestrampelt. Und das alles über einen Berg um welchen man auch schön drum herum fahren hätte können. Aber es hat sich gelohnt. Auf dem Weg hoch passierte ich jede Menge thermische Kraftwerke welche die heissen Quellen ankündigten und überall entlang der Strasse dampfte es aus den Leitungen. An der Laguna Larga habe ich dann mein Camp aufgeschlagen und ein bisschen in den heissen Quellen geblubbert. Als es dann Abend wurde haben sich dann auch die letzten Touristen verzogen und ich hatte den Park für mich alleine – genau so wie es sein sollte 😀

Gestärkt mit frischen Quesadillas gings dafür am nächsten Morgen erst mal 25 km lang runter. Und danach gings wieder hoch. Und zwar wieder auf über 3000m in das Naturreservat der Mariposa Monarca. Die Monarch Schmetterlinge fliegen zu Überwintern von Kanada und den USA bis in genau dieses Reservat, denn sie lieben Höhenluft, Föhren und Tannen. Und diese Kombination gibt es in Mexikos Sierra Nevada.

Doch bevor es zu den Schmetterlingen ging musste ich mir noch ein Nachtlager suchen. Gegenüber der Polzeistation auf dem Pass schien mir optimal. die Polizei bewacht dort die Strasse rund um die Uhr um den illegalen Holzschlag im Reservat zu verhindern. Und diese Nacht bewachten sie halt auch noch mein Zelt. Und es wurde noch besser als ich in der Polizeikantine zu Abend essen konnte und sie mir jede Menge Feuerholz vorbei brachten. Nur die „Wachhunde“ musste ich gut im Auge halten, denn die versuchten mir bei jeder Gelegenheit etwas aus dem Gepäck zu stehlen.

Tagsdarauf, nach einem guten Polizeikantinenfrühstück, gings dann los. Nach einer rund einstündigen Wanderung zum höchsten Punkt des Reservats, begann das Schmetterlingsspektakel. Tausende von denen schwirrten nun herum und flatterten von Baum zu Baum. Und wenn sich eine Wolke vor die Sonne schon wurde der Himmel schwarz, denn dann schwirrten die Schmetterlinge in Panik herum um einen sicheren Platz vor dem „schlechten Wetter“ zu finden.

Nach diesem Hightlight gings mit einem kurzen Stopp und einem Basketballspiel mit den Jungs der Proteccion Civil in Villa Victoria in die nächst grössere Stadt Toluca. Hier bereitete ich mich vor, den über 4000m hohen Vulkan Nevado de Toluca zu befahren und dann noch den Gipfel zu erklimmen. In Toluca habe ich etwas Material deponiert und bin losgefahren. Nach rund einer Stunde radeln traf ich auf Martin von I’m out.ch. Der Schweizer radelt schon seit rund 2 Jahren durch die Welt und war nun auch auf dem Weg zum Nevado. Und da hoch fahren zu zweit definitiv einfacher geht, fuhren wir zusammen weiter. Ab 3500m merkten wir langsam die dünne Luft und schlichen nur noch langsam dem Gipfel entgegen. Doch kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir dann doch noch den obersten Parkplatz und Eingang zum Park. Wir wollten eigentlich mit den Fahrrädern in den Krater hinein und dort am See zelten und vor allem Wasser auffüllen. Doch daraus wurde leider nix. Zugang zum See nur bis 15:00 und campen schon gar nicht. Auch Trinkwasser haben die lieben Parkwächter nur widerwillig raus gerückt und am Schluss durften wir auch noch 100 Pesos fürs campen auf dem Parkplatz bezahlen 🙁

Anyway, nach einer kühlen Nacht in dünner Luft starteten wir dennoch ausgeruht mit den ersten Sonnenstrahlen in den Tag und nach dem Frühstück machten wir uns auf zu den Kraterseen und dem Gipfel. Der Austieg auf über 4600m forderte uns doch sehr, denn obschon wir viel Velo fahren, ist wandern in der dünnen Luft eine andere Herausforderung. Belohnt wurden wir dann aber mit toller Aussicht auf Toluca und den aktiven Vulkan Popocaetepetl. Während des ganzen Tages begleitete uns ein Hund, welcher schon in der Nacht direkt neben unserm Zelt geschlafen hatte. Und als wir uns beim Parkplatz wieder auf die Velos setzten, rannte uns der Spinner noch gut 10 km hinterher.

Von Toluca war es nun nicht mehr weit bis Mexiko Stadt. Viele Leute warnten uns vor dem Verkehr und empfahlen, mit dem Bus nach Mexiko Stadt zu fahren. Wir fanden dann aber, dass das auch mit den Fahrrädern gehen muss. So manövrierten wir unsere Velos aus dem Verkehrsgewirr Tolucas raus Richtung Mexiko. Wir wollten gerade auf die verkehrsärmere Autobahn einbiegen als uns ein Polizist stoppt und erklärt, dass wir nun je eine Busse von 5000 Pesos bezahlen müssten. Und das alles weil wir irgendwo für 10m falsch durch eine Einbahnstrasse gefahren sind. So verstanden wir dann auf einmal gar kein Spanisch mehr und haben nur noch gelächelt und mit den Schlultern gezuckt. Und als sich der Señor dann nach 15 Minuten kurz weg gedreht hat sind wir losgeradelt.

Leider haben wir dadurch die letzte Autobahneinfahrt verpasst und mussten uns nun für ein paar Stunden im Lärm, Gestank und Gehupe weiter Richtung Mexiko durchquälen. Kurz vor Mexiko schaften wir es dann doch noch auf die Autobahn und genossen die letzten Kilometer gegen Mexiko Stadt praktisch verkehrsfrei und ich muss sagen, dass Mexiko bis jetzt wohl die angenehmste Grossstadt zum Radeln war: auf einer leeren Autobahn in die Stadt rein und drinnen auf Radwegen am Verkehr vorbei, was will man mehr.

In Mexiko haben wir uns während zwei Tagen einige der Sehenswürdigkeiten der Stadt angesehen und vor Allem wieder durch die lokalen Köstlichkeiten gemampft. Unter Anderem gingen wir im Antropologischen Museum fast verloren, feierten in Chinatown mit den mexikanischen Chinesen das neue Jahr und vergnügten uns wie kleine Kinder in der Strasse wo sich alle Fahrradläden befanden.

Nach dem eher kurzen Aufenthalt in Mexiko ging es weiter Richtung Puebla. Aber mit einem kleinen Umweg über den Paso de Cortes. Dieser führt zwischen den beiden Vulkanen Popocatépetl (5426m) und Ixtaccíhuatl (5230m) durch. Leider hatten wir nicht gerade Wetterglück, denn auf dem Wolkenverhangenen Pass gabs leider nicht viel von den beiden Vulkanen zu sehen. Da die Strasse über den Pass aber praktisch verkehrsfrei und sehr schön ist, hat sich der weg aber dennoch gelohnt.

Der Stadt Puebla statteten wir auch nur kurz einen Besuch ab. In einem Tag erkundeten wir die wichtigsten Stadtviertel und liessen uns in den Bars abzocken. Danach gings gleich wieder weiter gegen Oaxaca. Aber zuerst mussten wir uns aus dem Gewusel von Puebla befreien. Der Verkehr aus der Stadt raus war grauenhaft. Jede Menge Busse und Trucks, welche bei jedem der Millionen von Geschwindigkeitshubbel abbremsten und wieder beschleunigten und uns den ganzen Tag in schwarze Woklen einhüllten. So waren wir sehr froh, tags darauf auf die Autobahn wechseln zu können und wiederum praktisch verkehrsfrei Oaxaca entgegen tuckerln konnten.

Nun war es tagsüber oft so heiss, dass wir viel längere Mittagspause mit einem Nickerchen einlegten. Und so kam es dann kurz vor Oaxaca auch zu einer unerfreulichen Überraschung. Ich wachte gerade von meinem Verdauungsschlaf irgendwo am Strassenrand auf und schaue auf das Rad, welches neben mir steht und o Schreck, der Nabenflansch der Rohloff-Nabe ist gerissen. Toll! Auch dass noch. Da wählt man eine extra-zuverlässige Schaltung und dann reisst dort tatsächlich der Nabenflansch… Und da die Rohloff ausserhalb Europa ein sehr exotisches Produkt ist, wird es wohl relativ umständlich werden, diese zu ersetzen. Aber so habe ich jedenfalls in Oaxaca etwas zu tun….

Martin nimmt sich auf seiner Reise auch viel Zeit zum Filmen. Das Video von unserer gemeinsamen Zeit findet ihr hier. Viel Spass!

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