Dawson City – Whitehorse (22. – 28. Juli)

Wir sind also noch etwas länger in Dawson City geblieben. Am Wochenende war das alljährliche Music Festival, Ueli sagte dazu „e Hundsverlochete halt“. Das wollten wir auch ansehen. Freitag und Samstag haben wir im Park am Yukon verschiedene Konzerte besucht. Samstagabend sind wir dann auch noch aufs „Festivalgelände“. Ein eigentliches Ticket haben wir nicht gekauft. Wir durften so nicht ins Konzertzelt, dafür konnte man sich im Biergarten aufhalten. Da man ja ausser in Bars resp. Restaurants in der Öffentlichkeit keinen Alkohol trinken darf, war also auch am Festival eine spezielle Zone des Geländes zum Alkoholkonsum abgeschirmt, das wurde als Biergarten bezeichnet. Eine andere Zone war vorgesehen für die Raucher. Abgeschirmt waren diese Bereiche mit Drahtzaun. Wir fanden das ganze etwas komisch und waren dann auch nicht enttäuscht, keine Tickets gekauft zu haben.
Am Samstag gegen Abend sind wir dann endlich wieder gestartet. Wir haben sogar noch sechzig Kilometer geschafft. Die Nacht haben wir auf einem Kiesplatz mit Baumaschinen verbracht. Als Bärenversteck diente uns ein ziemlich grosser Strassendumper. Wir haben unser Essen auf dessen Dach „versteckt“. Da wir rauf klettern konnten, wäre das wohl auch für Bären kein Problem gewesen. Immerhin war das Essen so weg von unserem Zelt.
Für die Strecke bis nach Whitehorse haben wir sieben Tage gebraucht. Die Landschaft war einmal mehr geprägt von Wald und Wasser.
Eines der landschaftlichen Highlights ist die Region Beringia. Beringia bezeichnet die Region zwischen Ostsibirien, Alaska und dem Yukon. Während der letzten Eiszeiten war Beringia nur von kleineren Gletschern durchzogen, die grossen Gletscher die den grössten Teil von Nordamerika bedeckt haben, sind nicht bis Beringia vorgedrungen. Entlang dieser damals zusammenhängenden Landmasse konnten sich Plfanzen und Tiere (inklusive Menschen) verbreiten. Während der Eiszeiten war Beringia eine Steppenlandschaft mit Bisons, Wildpferden und anderen grossen Säugetieren. Auf der Strecke entlang des Yukons befanden wir uns also am östlichen Rand der damaligen Beringia.
Die folgenden Nächte haben wir auf öffentlichen Yukon-Campingplätzen verbracht. Die waren jeweils sehr schön gelegen – meistens an Seen oder Bächen. Somit verbrachte Christian die Abende jeweils mit Fischen. Ich freute mich, dass ich jeden Abend kurz ins Wasser hüpfen konnte. Da ich mich etwas erkältet hatte, schlüpfte ich danach am liebsten direkt in den Schlafsack.

Einmal habe ich versucht, Brot zu backen. Das hat dann eigentlich den ganzen Abend gefüllt. Somit war ich auch beschäftigt 🙂
Entlang der 500 Kilometer gibt es zwei (erwähnenswerte) Dörfer: Pelly Crossing und Carmacks. In beiden leben hauptsächlich First Nation Leute. Wie der Name Pelly Crossing vermuten lässt, gibt es in dort eine Brücke über den Pelly Fluss. In beiden Dörfern gibt es jeweils mindestens eine Tankstelle mit Shop, somit konnten wir jeweils unsere Vorräte auffüllen.
Wir hatten wohl etwas falsch berechnet, denn eine Nacht vor Whitehorse hatten wir kein Brot mehr. Mehl hätten wir noch gehabt, aber ich hatte keine Lust, noch mal Brot zu backen. Da ich auch keine Lust hatte, zum zMorge noch Reis zu essen, musste ich mich also zu einer Bettelrunde überwinden. Ich fragte bei einer Gruppe deutscher Campertouristen, die am nächsten Tag ihren Camper abgeben wollten. Deshalb kam es ihnen gerade recht, konnten sie uns ihre überschüssigen Vorräte abgeben. Sogar am nächsten Morgen kamen sie noch einmal mit weiteren Dingen, die sie noch gefunden haben. Die Runde zahlte sich aus! Schlussendlich hatten wir Kartoffeln, Päcklisuppe, Wurst, Zwiebeln, Brot und sogar Knäckebrot.
Eine Sehenswürdigkeit muss ich doch noch erwähnen. Direkt an der Strasse hat der Staat einen „Lehrpfad“ zu einem Waldbrand errichtet. 1998 brannten 45’000 Hektaren um den Fox Lake. Das Feuer war so heftig, dass es auch im Winter im Boden weiterbrannte resp. schwelte. Heute ist die Fläche wieder grün. Auf verschiedenen Infotafeln wird nun erklärt, wie das Feuer ausgelöst wurde (Campingfeuer), wie der Wald vom Feuer profitiert, welche Anpassungen Pflanzen ans Störungsregime Feuer haben und wie Tiere auf ein Feuer reagieren.

Am 28. Juli haben wir es dann bei strömendem Regen nach Whitehorse geschafft. Nach Anchorage war Whitehorse erst die zweite eigentliche Stadt, die wir besucht haben. Hier gab es auch wieder Warmshower-Gastgeber. Wir konnten bei Helene und Francois unterkommen, sie wohnen direkt in der Stadt. Zu Christians Freude haben die beiden ein eigenes Zimmer zum Veloflicken. Da hat er dann gleich zwei Tage verbracht und unsere Velos wieder in Schuss gebracht. Ich konnte währenddessen meine Erkältung auskurieren und in einem richtigen Ofen Brot backen. Ich konnte sogar wieder mal etwas „Anständiges“ kochen, es gab eine feine Lasagne.
Nach drei Tagen haben wir uns dann auch entscheiden, wohin die weitere Reise gehen sollte. Als nächstes grosses Etappenziel steht Jasper fest. Um dahin zu kommenm, hatten die Wahl zwischen dem Cassiar Highway und der Fähre via Alaska durch die Inside Passage. Wir entschieden uns auf mein Drängen für die Fähre.

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