Bienvenidos a Mexico (22.11.-15.12.)

Von Julian ging es nun durch den Cuyamaca Rancho State Park in rassigem Tempo der mexikanishen Grenze entgegen. Die letzten Kilometer in den USA verliefen nun entlang des Grenzaunes und ich begegnete all paar Minuten einer Grenzpatrouille. Ja, es ist noch immer ein Zaun und keine Mauer… Die Grenze wollte ich im kleinen Städtchen Tecte überqueren. Da ich genau an Thanks Giving über die Grenze fuhr war relativ wenig los. Nach dem Ausfüllen und Bezahlen des Visums fehlte nur noch der Stempel. Doch anstelle des Stempels wollte mir der Immigration Officer vor allem Honig und Salsa verkaufen. Und ich muss sagen die Salsa de la frontera ist muy picante y rico.

Nachdem ich dann den Stempel auch noch erhalten hatte gings los mit dem Abenteuer Mexico. In Tecate, welches vor allem Bekannt ist fürs Bier, erwartete mich mein Couchsurfing Host Cesar bereits. Zusammen kosteten wir nun Burritos, Tacos, Pastel und natürlich Cerveza Tecate. Darauf hatte ich mich nun doch sehr lange gefreut: In den USA war das Essen sehr oft frittiert, alles schmeckte irgendwie ähnlich und war relativ teuer. Hier nun das pure Gegentail. Tacos, Tortas, Burritos und vieles mehr gab es in den verschiedensten Geschmacksrichtungen an jeder Hausecke und zu einem Preis, wo man gar nicht mehr ans selber kochen denken wollte.

Von Tecate aus gings dann über ein paar Hügel und durch das Wein Anbaugebiet der Baja California in zwei Tagesetappen an die Küstenstadt Ensenada. Hier am Pazifik wurden die Temperaturen nun endlich etwas erträglicher. Hier wurde ich von meinem Warshowers Host Jorge erwartet. Neben mir war auch noch Adrian aus Singapur zu Gast. Adrian stellt alle Velofahrer in den Schatten, denn der Spinner fährt mit dem Skateboard nach Ushuaia! Seinen Blog findet ihr hier. Zusammen erkundeten wir die Stadt und genossen weitere mexikanische Köstlichkeiten wie Fischtacsos oder Gerichte mit Mole Sauce. Nach drei Tagen Stadtbummeln gings für mich weiter über die Berge Richtung San Felipe am Mar de Cortes. Adrian folgte weiter dem Highway 1, da dieser flacher ist. Aber wir wollten uns dann später irgendwo wieder treffen. Hier auf der Baja hat es nun oft Militaerkontrollen, welche alle Fahrzeuge mehr oder weniger genau kontrollieren. Bei mir sind sie vor allem an meiner Radtour interessiert und so kommt es schon zwischendurch vor, das der Velofahrer mit seinen Geschichten und nur sehr beschränkten Spanischkenntnissen eine ansehnliche Warteschlange produziert und die Reisestories so oft wiederholt werden, bis auch der letzte Soldat genauestens informiert ist wohin, weshalb, woher und wie lange. Die Strassen sind hier nun bedeutend schmaler als in den USA und Seitenstreifen gibt es so gut wie keine mehr. Dies erfordert nun ein viel aufmerksameres Fahren und ein Rueckspiegel ist Pflicht, um nicht all zu sehr ueberrascht zu werden vom naechsten Lastwagen. Auf dem Weg nach San Felipe kamen mir noch die schweizer Tandemfahrer Alexi und Anysia entgegen. Sie sind in Südamerika gestartet und unterwegs gegen Norden. Sie versorgten mich noch mit zahlreichen Tipps zur Baja wie z.B. dass die Bomberos von San Felipe ein lustiger Ort zum Übernachten wären. So steuerte ich meinen Göpel nach einer kurzen Stadtrundfahrt auf die Feuerwehrstation zu. Kurz nach meinem Eintreffen erreichten zwei weitere Velofahrer die Station. Yves und Frederique aus Frankreich sind auch in Alaska gestartet und folgten mit wenigen Ausnahmen exakt der gleichen Route welche ich gefahren bin. Jedoch immer mit einer Woche Verzögerung. Wegen meinem Abstecher nach Ensenada hatten sie mich nun endlich eingeholt. Zusammen zelteten wir also in der Feuerwehrstation. Für uns war dies genial, da wir mitten in der Stadt unsere Zelte aufschlagen konnten und eine Dusche hatten. Auch die Feuerwehrleute freuten sich sehr, denn ausser irgendetwas putzen oder Fernsehen schauen hatten diese nicht viel zu tun. So verbrachten wir einen sehr kurzweiligen Abend und lernten auch noch allerlei äusserst hilfreiche spanische Redewendungen.

Abschied von Jorge und Familie

Ensenada bei Nacht

Von San Felipe zogen wir nun zu dritt weiter südwärts. Der nächste Stopp war in Puertocito. Hier zelteten wir direkt am Strand und genossen vor dem schlafen gehen noch ein Bad in den Hotsprings direkt am Meer. Auch Tags darauf fanden wir wieder einen schonen Campspot direkt am Strand. Zelten wird einem hier schon recht einfach gemacht… Bislang folgten wir einem brandneuen Highway direkt am Meer entlang. Wenig Verkehr, einsame Strände und schlaglochfreier Asphalt gestaltete unser Vorankommen sehr angenehm. Doch nun war Schluss damit. Denn der neue Highway ist noch nicht durchgängig asphaltiert und die letzten 40 km durch die Berge zurück zum Highway 1 bestand noch aus einer Piste aus groben Steinen. Wir hörten schon viel von Cocos Corner und wollten unbedingt bei Coco vorbei schauen. Der 80 jährige Coco lebt alleine mitten in der Wüste und verkauft Wasser und vor allem Bier an die vorbei fahrenden Touristen und Trucker. Zudem hat Coco auch keine Beine mehr und managt alles von seinem Rollstuhl aus oder wenn er ausser Haus ist, mit dem Quadbike.

Auf dem Weg zu Coco schlichen wir uns immer wieder auf die neue, sich noch im Bau befindende Fahrbahntrasse. diese war schon für die Asphaltierung vorbereitet und viel angenehmer zu befahren als die alte Piste. Dumm nur, dass die neue Strecke nicht mehr bei Coco vorbei führte. Da wir dies zu spät realisierten, blieb uns dann halt nichts anderes übrig als mit 20 km Umweg wieder zurück zu Coco zu fahren.

Von Coco wurden wir herzlich empfangen und liessen uns in seinem äusserst stilvoll geschmückten Häuschen nieder um zu mittag zu essen. Während unserer Mittagspause trudelten immer wieder Touristen oder Trucker ein, um bei Coco ein Bierchen zu schnappen. Unsere Mittagspause zog sich nun bis in den Nachmittag hinein und Coco fand, dass es nun eh zu spät sei um weiter zu fahren. Also richteten wir uns für die Nacht in den auf Cocos Gelände herumstehenden Camper ein. Spät abends trafen noch die Schweizer Vreni und Fredi mit ihrem Gefährt ein und wir hatten einen lustigen Abend bei köstlichen Poulet, Reis und Bohnen.

Ausgeruht starteten wir dann am nächsten Morgen auf die Tags zuvor nicht mehr geschafften, letzten km Piste rauf in die Berge. Der starke Rückenwind erleichterte uns das vorankommen auf den mühsamen Piste zwar etwas, aber es war doch ein happiger Morgen. Um so mehr freuten wir uns, als uns die Schweizer überholten, stoppten und uns zu Kaffee und Kuchen in den warmen Camper einluden.

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Endlich wieder auf dem asphaltierten Highway 1 angekommen gings nun via Rosario nach Guerero Negro. Das Städtchen lebt vor allem von Whalewatching Tourismus welcher während den Monaten Januar bis März Hochsaison hat. Denn dann versammeln sich tausende Grauwale in der kleinen Lagune um ihre Jungen zur Welt zu bringen und sich von Touristen verwöhnen zu lassen. Leider waren wir für dieses Spektakel aber einen Monat zu früh da und in Guerero Negro herrschte Tote Hose. Nicht aber so beim Restaurant Ojo de Liebre. Hier können Velofahrer gratis ihr Zelt aufschlagen. Und so trafen wir hier auch wieder auf Crazy Adrian, 4 Franzosen und 2 Kanadier. Von hier an verdoppelte sich nun unsere Truppe und wir fuhren als Sechsergespann weiter gegen Süden.

Die nächsten Tage kämpften wir mit starkem Gegenwind und die Tageshighlights waren jeweils die Übernachtungsorte: Eine Casa del Ciclistas, eine Kirche, Feuerwehrstation und schlussendlich das Restaurant Pancho Villa in Mulege.

Bei Pancho, direkt am Meer können Radler wiederum gratis zelten. Hier sitzen wir nun seit 3 Tagen und geniessen die angenehme Wintersonne, schnorcheln, schwimmen, paddeln, fischen und tun einfach mal gaaaar nix. Auch hier treffen immer wieder neue Radler von Norden und Süden ein und zwischendurch campten ca 15 Velofahrer vor dem kleinen Restaurant – was für ein Fest.

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Im Gegensatz zu den USA wo ich wohl eine eher ungewöhnliche Route gewählt hatte und nur sehr selten auf andere Velofahrer traf, scheint die Baja doch eine sehr beliebte Route zu sein und so treffe ich fast täglich neue Velofahrer und ein zusammen fahren über längere Zeit ist hier problemlos möglich.

Morgen geht es dann für uns wieder ein Stück weiter entlang der wunderschönen Strände der Bahia de Conception, Richtung La Paz.

2 thoughts on “Bienvenidos a Mexico (22.11.-15.12.)”

  1. Hola Christian, das liest sich ja gut, also diese Baja scheint sich gemacht zu haben! Danke für die Weihnachtskarte, dir auch feliz navidad und gute Weiterreise! Liebe Grüsse Katharina

    1. Ja die baja war wirklich toll. Hätte gut noch länger bleiben können. Aber jetzt ist das „richtige“ mexiko an der reihe. Lg aus mazatlan

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