Alaska – bis Denali National Park (16. Juni – 23. Juni)

Wir sind nun genau einen Monat unterwegs – höchste Zeit also für ein Update!

Am 16. Juni sind wir also in Anchorage losgefahren. Wir waren zu diesem Zeitpunkt Omi (die Tochter der warmshower Familie), Christian und ich. Omi sollte uns aus der Stadt raus begleiten. Ich habe ziemlich gestaunt, dass sie dann gleich 40 km mitgefahren ist. Aus Anchorage raus war ziemlich angenehm, da die so ein gutes Fahrradwegnetz haben. (Dies mussten sie bauen, da es in der Vergangenheit zu so vielen Unfällen zwischen Velo- und Autofahrern gekommen ist.)

Wir sind so circa eine halbe Stunde gefahren, als uns Omi ganz aufgeregt gewinkt hat und auf eine Gischterdeponie gezeigt hat. Da erwartete uns nun unser erster Schwarzbär! Zum Glück stand er mit etwa zweihundert Metern in einer einigermassen!? sicheren Distanz. Genügend weit weg auf alle Fälle, dass ich gleich zum ersten Mal den kleinen Feldstecher auspacken konnte, zum Glück habe ich den in der Lenkertasche verstaut.

Input Bär / Anchorage

Anchorage ist die grösste Stadt Alaskas. Es leben rund 300’000 Leute dort, das sind etwa 40% der gesamten Bevölkerung Alaskas. Anchorage ist zwar eine Stadt, hat aber ziemlich viel Grünfläche mit Parks, Wäldern, Bächen und Seen. Dies zieht entsprechend viele Tiere an. Es ist also ganz normal, in der Stadt Elche, Grizzlies und Schwarzbären zu sehen. Deshalb gibt es wohl auch die Kurse, wie man sich eben mit diesen Tieren verhalten soll. Der Schwarzbär in Anchorage blieb dann bis auf Bären im Denali Park, der einzige, den wir bis jetzt vom Velo aus gesehen haben 🙂

Bernice hat Omi dann am vereinbarten Treffpunkt auf einer Raststätte abgeholt. Und als wir uns dann von ihnen verabschiedet hatten, gings so richtig los! Und wie es losging! Wir fuhren von der Raststätte weg und nahmen mutig die Einfahrt auf den 4-spurigen Highway Richtung Norden. Wir wussten immerhin, dass der Highway nur etwa dreissig Kilometer so stark befahren ist, da natürlich zur Feierabendzeit alle aus Anchorage raus wollten. Gemütlich wars trotzdem nicht – eine Alternative hatten wir aber auch nicht. Mühsam war vor allem, dass wir jede Ausfahrt nehmen mussten, denn das Kreuzen der Ausfahrten wäre ziemlich lebensmüde gewesen.

Highway – kleine Strasse – Veloweg

Die erste Nacht haben wir dann auf einem Campingplatz eines Stateparks verbracht. Wir versuchen, so häufig wie möglich, auf diesen Plätzen zu zelten. Sie sind günstig (10 – 20$ pro Platz), haben eine Feuerstelle mit Tisch und Bänken, WC, Schränke damit man das Essen bärensicher aufbewahren kann, meistens Trinkwasser oder immerhin Wasser zum Abkochen und sind ziemlich grosszügig im Platz. Meistens ist auf diesen Plätzen niemand, wo man sich anmelden oder bezahlen muss. Man registriert sich beim Ankommen und wirft das Geld der Gebühr in eine Zahlstelle. Manchmal kommt dann am Morgen jemand und kontrolliert, ob man sich richtig registriert hat. Wir haben auch schon vergessen, die Gebühr zu bezahlen. Und manchmal haben wir die Gebühr auch bezahlt.

Auf dem ersten Campingplatz in einem Ort namens Wasilla hatten wir dann ein etwas schräges Treffen mit unseren Nachbarn. Wir haben das Zelt aufgestellt und sind dann an den See, wo wir auf den ersten Tag anstossen wollten. Als wir zurück kamen, haben unsere Nachbarn Jeff und Penny uns gleich gefragt, ob wir bei ihnen mitessen wollten. Das konnten wir natürlich schlecht ablehnen. Es gab Hotdogs (Wirschtleni mit Toast) und eine Gemüseplatte zum Dippen. Als wir erzählt haben, dass wir aus der Schweiz kommen, hat Jeff gemeint, ja in Deutschland wäre er auch schon gewesen. Ich fragte natürlich, was er denn dort gemacht hat, worauf er meinte. “ I was trained to kill people“ – da musste ich erst mal leer schlucken und wusste nicht so genau, was weiter fragen. Ich habe natürlich schon an Auftragskiller und weitere wilde Geschichten gedacht, aber er war „einfach“ nur in der Army und Navy und dann wohl noch im Libanon undundund. Er hat anscheinend vor einigen Tagen in einem Kampf einige Zähne eingeschlagen, die hat er sich dann zum Teil selber gezogen und beim Zahnarzt, deshalb hatte er wahnsinnig Kopfweh, musste dies bekämpfen und hat deshalb ziemlich viel getrunken und soviel erzählt. Er hat mir auch vorgeführt, wie er sich selber die Zähne gezogen hat (mit dem Messer) und ich wollte die Zähne natürlich auch sehen 🙂

Ich wollte natürlich auch wissen, wo sie denn wohnen, da hat Penny nur auf ihren PickUp gezeigt. Sie seien  auf der Suche, nach einem neuen Ort, wo sie leben möchten, dazu hätten sie all ihre Habe in den PickUp geladen und suchen nun eine neue Bleibe. Voller Stolz hat Jeff dann auch noch erzählt, wie er und Penny sich kennen gelernt haben. Das ist nun etwa zwanzig Jahre her. Damals habe er in dieser Bar die schöne Penny erblickt und um ihn war es sofort geschehen. Sie war aber mit einem ziemlich wuchtigen Typ unterwegs – auch Penny ist nicht gerade ein Fliegengewicht. Deshalb hat Jeff sich nur gewagt, Penny zuzuzwinkern. Plötzlich war Penny dann doch alleine in der Bar, hat Jeff auch angelächelt und kam auf ihn zu. Voller Leidenschaft hat uns Jeff gefragt „You know how that woman talked to me for the first time?“ (er konnte ziemlich gut erzählen!) wieder und wieder hat er uns gefragt, bis er es dann sagen konnte. Die gute Penny hat also den Spruch gebraucht „do you fuck as good as you look?“ – und von da an waren sie und Jeff ein Paar.

Es gäbe noch sehr viel zu erzählen zu diesem Treffen, beispielsweise wie wir auch noch zum Zmorge eingeladen wurden und welches Material sie uns noch mitgeben wollten. Oder die ganze haarsträubende Familiengeschichte von Penny. Mich hat einfach die Grossherzigkeit von Penny und Jeff, die wohl selber nicht sehr viel besitzen aber alles mit uns teilen wollten, sehr berührt.

Gestärkt nach einem Zmorge mit Speck und Eiern fuhren wir also weiter gegen Norden. Wir sind die ersten Tage jeweils zwischen 50 und 90 Kilometer gefahren. Vor allem ich hatte am Anfang schon ziemlich Mühe, meine Körperteile ans Velo zu gewöhnen, hat wohl auch damit zu tun, dass ich mit meinem Sattel erst rund zwanzig Kilometer gefahren bin. Mittlerweile läuft das aber alles ganz rund!

Der Denali ist immer wieder zu sehen

Am 21. Juni sind wir im Denali National Park angekommen. Auf dem Weg dahin, haben wir den Berg immer wieder mal gesehen. Im Denali Park haben wir die ersten Touristenströme gesehen. Das war ziemlich beeindruckend! Bis hierhin waren auf den Campingplätzen jeweils nur wenige Leute, im Denali waren aber alle Stellplätze bereits ausgebucht. Zum Glück gabs aber noch freie Zeltplätze. Am nächsten Tag im Denali hatten wir unseren ersten Ruhetag. Wir buchten eine Fahrt mit dem Bus bis ganz hinten in den Park, dort liegt Wonder Lake – 85 Meilen weit weg vom Parkeingang. Diese Busse sind alte Schulbusse, teilweise haben sie sogar Veloträger, so konnten wir sogar unsere Velos mitnehmen. Mit einem eigenen Fahrzeug darf man nur bis zu einer gewissen Distanz (30 Meilen) in den Park fahren, die restliche Strecke ist für die Busse und Velos reserviert, ausserdem ist es nur eine Kiesstrasse.

Die Busfahrt zum Wonder Lake dauert rund fünf Stunden. Da wir erst nach dem Mittag los sind, waren wir im Bus nur circa zehn Leute. Das war sehr angenehm, denn viel Platz gibts auf diesen Sitzen auch nicht. Wir haben Busse gekreuzt, die alle voll mit müden und schwitzenden Amis/Touristen waren. Wenn jemand ein Tier erblickt hat, konnte man einfach rufen, und die Busfahrerin hat gestoppt und man konnte Fotos machen. Die Koreaner im Bus waren ganz aus dem Häusli als sie die ersten Karibous gesehen haben. Die waren zwar 500 Meter weg aber ich habe ja zum Glück einen Feldstecher dabei. Neben Karibous haben wir tatsächlich mehrere Grizzlies gesehen. Drei waren nur etwa zehn Meter von der Strasse weg, sie sind wahrscheinlich ziemlich an diese Busse gewöhnt. Wir durften zwar Fotos machen, dabei durften aber auf keinen Fall Arme oder Ellbogen aus einem Fenster kommen.

Es gibt im Park immer wieder Zeltplätze, die man beim Eintritt in den Park reservieren muss. Wir haben die erste Nacht in Wonder Lake übernachtet. Zum ersten Mal mussten wir uns   ere Moskitonetze für den Kopf anziehen. Damit zu essen ist ziemlich mühsam! Der Vergleich mit einer Burka liegt hier nahe…

Die nächsten beiden Tage sind wir Stück für Stück aus dem Park gefahren. Da wir am ersten Tag ziemlich früh los sind, haben wir viele Karibous direkt neben der Strasse gesehen. Grizzlies haben wir zum Glück nur weit weg von der Strasse gesehen. Wir haben also etwa 40 Karibous gesehen, 20 Hasen (die bleiben einfach auf der Strasse sitzen), 1 Elch, 16 Erdmänndli und viele Vögel.

Alan – Alan – Alan

3 thoughts on “Alaska – bis Denali National Park (16. Juni – 23. Juni)”

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.